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"Wer erwartet, geliebt zu werden, ist in der Politik am falschen Ort"
Annabelle Nr. 13/2001

Mit 15 wusste ich bereits: Die Rolle, die meine Mutter hat, die wollte ich nicht! Damals hatten Frauen nett und anständig und demütig zu sein, und die Männer sagten, wos langgeht. Schon damals hatte ich das Gefühl: Das kann es doch nicht sein. Wieso hatten Frauen weniger Rechte? Weshalb durften sie nicht aufmüpfig sein?

Die Frauenbewegung kam mir wie gerufen, und so habe ich mich für die feministischen Anliegen stark gemacht. Ich bin zu meiner Uberzeugung gestanden, hab Widerspruch erregt, aber auch viel Unterstützung erfahren. Ich war so überzeugt von der Sache der Frauen, dass mich nie mand davon abbringen konnte. Es hat mein Selbstwertgefühl gestärkt, Vorkämpferin in einer aufmüpfigen, zukunftsorientierten, positiven Bewegung zu sein. Unbeirrt für die Anliegen der Frauen zu kämpfen, das gab mir unheimlich viel Power.

Die Grundlage für ein gesundes Selbstwertgefühl liegt bestimmt in meiner Jugend. Ich lernte sehr leicht, war eine gute Schülerin und erfuhr, dass Leistung Wertschätzung und Anerkennung bringt. Das ist ein grossartiges Kapital fürs Leben, wenn man sich nicht erst seinen Platz mühsam erkämpfen muss, sondern von klein auf die Erfahrung macht, dass man etwas kann.

Im Nachhinein muss ich sagen, dass es ein Glück für mich war, dass ich in der kritischen Zeit zwischen 15 und 20 in der Klosterschule Baldegg unter lauter Frauen war. Ich durfte so sein, wie ich war: eine gute, interessierte Schülerin, ich musste dies nicht verstecken, um die Gunst der Männer nicht zu verlieren. Als 18-Jährige musste ich übungshalber vor 300 Schülerinnen referieren, das gehörte zur Ausbildung und stärkte mein Selbstvertrauen.

Dass heute noch viele Frauen unter mangelndem Selbstbewusstsein leiden, hat auch damit zu tun, dass sie die Messlatte für sich höher ansetzen als die Männer. Selbstzweifel kennen Männer kaum, bei Frauen sind sie fast notorisch. In der Politik ist dieser Unterschied besonders augenfällig. Seit ich weiss, mit welch harten Bandagen hier gekämpft wird, bin ich etwas vorsichtiger geworden, Frauen zu motivieren, in die Politik einzusteigen. Dieses knallharte Geschäft entspricht vielen Frauen nicht. Trotzdem: Wir Frauen dürfen die Politik nicht den Männern überlassen. Wir sollen dies aber auf unsere Art und Weise tun und nicht den Männern nacheifern wollen.

Solange auf dieser Welt nicht mehr Gerechtigkeit herrscht, kämpfe ich weiter - für eine Welt, in der Frauen genauso viel Macht und Einfluss und Einkommen haben wie die Männer. Solange ich Leute finde, die mit mir kämpfen, ist das gut, sonst müsste ich mausbeinallein weitermachen, ich kann nicht anders, das ist meine Überzeugung. Deswegen bin ich ja in der Politik!

Es kann übrigens durchaus lustvoll sein, öffentlich zu streiten. Es macht Spass, wenn ich faire Gegnerinnen und Gegner habe und die Auseinandersetzung auf einer sachlichen Ebene bleibt. Doch so selbstbewusst, wie es scheinen mag, bin ich nicht immer. Im Nationalratssaal schreite ich stets mit etwas Herzklopfen ans Rednerpult. Inder "Arena" trete ich mit noch viel gemischteren Gefühlen auf, vor allem, weil meine Kontrahenten meist Politiker aus dem sehr rechten Spektrum sind. Ich habe Mühe mit Heckenschützen und Wadenbeissern, die versuchen, ihr Gegenüber persönlich anzugreifen und zu desavouieren. Manchmal fällt es schwer, ruhig zu bleiben, und natürlich verletzen die verbalen Angriffe auch.

Es geht nicht darum, geliebt zu werden, wer das erwartet, ist in der Politik sowieso am falschen Ort. Aber es geht um Respekt. Den erwarte ich auch von Leuten, die meine politischen Ideen nicht teilen. Doch für einige - meist Männer - repräsentiere ich ein Feindbild, und damit umzugehen, ist schwierig. Ich werde auch attackiert mit anonymen Briefen, manchmal bedroht und beschimpft. Wenn es mir gut geht und ich mich stark und sicher fühle, kann ich gelassener damit umgehen. Dann denke ich jeweils, da wird so viel Frust an mir abgeladen, das hat mit mir als Person nichts zu tun, sondern ich werde quasi stellvertretend angegriffen für die Haltung und die Werte, die ich vertrete.

Ich habe ein gutes Umfeld, das mich trägt und unterstützt. Die Frauen denken ähnlich wie ich. Und die Männer können mit selbstbewussten Frauen umgehen. Für sie ist es eine Selbstverständlichkeit, dass Frauen erwerbstätig sind, dass sie Politik machen, dass die Aufgaben geteilt werden. Ich habe das Gefühl, von den Menschen in meinem persönlichen Umfeld geachtet und geliebt zu werden. Von ihnen kriege ich genug Unterstützung und Anerkennung, mehr brauche ich nicht.

Und wenn mich plötzlich alle mögen würden, wär ja etwas falsch, da müsste ich mich fragen: Was ist los, hast du etwa dei- nen Biss verloren?!  
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