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Reise nach Bosnien-Herzegowina

BERUF
Fachtexte


Ein vom Krieg gezeichnetes Land

Abb. Original-Artikel
Anfangs Oktober war ich mit Nina Hoessli, der Programmverantwortlichen des Südosteuropa-Programms, eine Woche in Bosnien-Herzegowina unterwegs, um die cfd-Partnerorganisationen kennenzulernen. Für mich war es eine Reise zurück in ein Land, das ich aus meiner früheren Tätigkeit in der Interkulturellen Pädagogik kannte.

Ich erinnere mich gut daran, wie stolz die «Jugoslawinnen und Jugoslawen» wie sie damals hiessen, darüber waren, dass die Winterolympiade im Jahr 1984 in Sarajewo ausgetragen wurde. Ich erinnere mich auch daran, dass ich damals keine Sekunde daran glaubte, dass ein paar Jahre später in Sarajewo Krieg sein könnte. Doch das Unwahrscheinliche geschah, und die Berge rund um Sarajewo wurden zur Kampfzone. Die Frontlinie verlief hoch über der Stadt am Berg Trebevic, ganz in der Nähe der Bob-Bahn, welche für die Olympiade gebaut worden war. Jetzt, fast 30 Jahre später, sind davon nur noch ein paar bizarre Ruinen übrig. Sie sind von Sträuchern und Moos überwuchert, und die Natur wird sie bald ganz zurückerobert haben.

Auf dem Weg ins Jahorinagebirge, wo ein Workshop mit unseren Partnerorganisationen stattfand, überquerten wir die Grenze zur Republica Srpska und fuhren nahe an Pale vorbei. Von hier aus wurde im Krieg die Beschießung und Belagerung Sarajewos organisiert. Die Spuren des Krieges sind in der einst schönen und multikulturellen Stadt Sarajewo unübersehbar. Tausende von Einschusslöchern in den Häuserfassaden erinnern an den Horror, dem die Zivilbevölkerung ausgesetzt war und der über 10 000 Tote forderte.

Es ist unglaublich, welche Verheerungen der Krieg in der Psyche der Leute angerichtet und wie er deren Lebensgrundlagen nachhaltig verschlechtert hat. Genau da setzen die Organisationen an, mit denen der cfd seit dem Krieg zusammenarbeitet. Sie alle unterstützen vom Krieg betroffene Menschen und helfen, eine starke Zivilgesellschaft aufzubauen.

Zum Beispiel Medica Zenica, ein Zentrum für Frauen, in dem diese Schutz vor Gewalt finden, eine Therapie oder eine Ausbildung machen können. Auf einem Besuch im abgelegenen Dorf Starina habe ich erlebt, wie die Schneiderinnenausbildung bei den Teilnehmerinnen Hoffnung und Zuversicht auf eine bessere Zukunft auslöst und sie aus ihrem tristen Alltag herausholt. Oder im Dorf Begov Han, wo Absolventinnen der Schneiderinnenausbildung in Eigenregie einen alten Kriegsbunker in eine Werkstatt und in einen Treffpunkt umgewandelt haben. Am Tag vor unserem Besuch hat eine Frau ihren Kolleginnen zum ersten Mal erzählt, dass sie als 17-Jährige im Krieg vergewaltigt worden sei. Ein Riesenschritt für sie, dieses Tabu zu brechen und darüber zu sprechen.

Am Abend organisierte Medica einen grossen Anlass mit lokalen Politikerinnen, an dem diese über die Stellung der Frauen in der Politik in Bosnien-Herzegowina berichteten und ich über die Situation der Frauen in der Schweiz. Während wir in der Schweiz in den letzten Jahrzehnten unsere Rechte Schritt für Schritt ausbauen konnten, hatten die Bosnierinnen einen Krieg durchzustehen und dessen Folgen zu bewältigen. Kein Wunder, dass ihre Energie nicht für alles reichte und dass die Umsetzung der Gleichstellung noch nicht weit fortgeschritten ist.

Zurück in Sarajewo treffe ich Schwester Madeleine Schildknecht. Es ist für mich eine aussergewöhnliche Begegnung, kenne ich sie doch aus unserer gemeinsamen Zeit in der Lehrerinnenbildung im Seminar Baldegg. Vor zehn Jahren kam sie nach Bosnien-Herzegowina und baute aus dem Nichts die Jugendorganisation «Narko-Ne» auf, heute eine der Partnerorganisationen des cfd, und so kreuzten sich unsere Wege in einem ganz neuen Zusammenhang wieder.

Was bleibt ist die Erinnerung an Begegnungen mit starken und mutigen Frauen und die Überzeugung, dass es ein guter und richtiger Entscheid des cfd war, nach dem Krieg in Bosnien-Herzegowina ein Programm aufzubauen. Unser Engagement wird noch lange nötig sein.  
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