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"Den Frauen droht ein Rückschlag"

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Cécile Bühlmann über Frauen und Männer in der Politik
Interview der Woche, Südostschweiz, 2. Februar 2002

Mit Nationalrätin Cécile Bühlmann war diese Woche eine der profiliertesten Politikerinnen der Schweiz in Chur zu Gast. Die Südostschweiz nutzte die Gelegenheit zu einem Gespräch über die Rolle der Frauen in der Politik. Ihre schonungslose Analyse: Die Frauen werden wieder zurückgedrängt.

Frau Nationalrätin Bühlmann, eine Ihrer Thesen, die Sie am Donnerstag in Chur vertraten, lautet, dass Männer analytischer und zielorientierter funktionieren als Frauen. Zementieren Sie mit solchen Aussagen nicht gängige Klischees, wie etwas jenes, dass die Frauen mehr aus dem Bauch heraus und die Männer mehr mit dem Kopf politisieren?
Diese Aussage war Bestandtteil einer Analyse, mit der ich darstellen wollte, weshalb Frauen, die politisieren, ein latentes Unbehagen empfinden. Ich bin selbstverständlich nicht der Meinung, dass Männer biologisch bedingt analytischer und zielorientierter vorgehen. Dagegen wehre ich mich entschieden. Es sind vielmehr sozialisationsbedingte Phänomene, die bewirken, dass Frauen so und Männer anders funktionieren. Diese Phänomene müssen benannt und analysiert werden. Dies, nicht zuletzt, um aufzeigen zu können, dass sie nicht in Stein gemeisselt sind.

Was ist denn - bei allem Wissen um die sozialisationsbedingten Unterschiede - einer Frau, diein einem politischen Disput mit einem Mann steht, konkret zu raten. Soll sie auf die Männerebene gehen?
Nein. Es ist aber von Nutzen, wenn die Frauen wissen, wie Männer funktionieren und dass sie in der Regel erfolgreich funktionieren, wenn sie politisch entscheiden. Daraus müssen die Frauen ihre Lehren ziehen. Ich zum Beispiel will nicht immer nur visionäre Ideen in die Welt setzen und damit edel untergehen - obwohl mir das als Mitglied einer kleine Partei zugegebenermassen viel passiert. Aber auch ich muss versuchen, rechtzeitig Bündnisse zu schliessen, Absprachen zu treffen und Kompromisse einzufädeln. Als Frau strategisch zu denken und zu handeln, ist denn auch legitim. Insbesondere dann natürlich, wenn diese Strategie einem guten Zweck dient.

Trotzdem: Ich entnehme Ihren Ausführungen, dass sich - wenn - die Frauen anpassen müssen. Die Männer werden sich kaum freiwillig auf die Frauenebene begeben.
Für die Männer ist die Welt in Ordnung. Darum sind in der Regel nur wir Frauen die, die etwas verändern wollen.

Sie gehen gar so weit zu sagen, dass sich weibliche Eigenschaften wie Spontanität, Kreativität und Rücksichtnahme in der Politik kaum durchsetzen können.
Ja. Politik funktioniert zweifelsohne nach männlichen Werten. Es wird eine männliche Gesprächskultur gepflegt, Hierarchien sind wichtig. Man könnte auch sagen, dass das System, in dem wir politisieren, auf dem Hackordnungsprinzip basiert. Wer dieses Prinzip beherrscht, ist in unserem System erfolgreich. Nur, wie gehen wir Frauen mit dieser Realität um? Viele halten es in der Politik schlicht nicht aus und kehren ihr nach kurzer Zeit den Rücken. Das finde ich schade. Der Idealfall wäre, wenn man so viele Frauen mehr für die Politik gewinnen könnte, dass es gelänge, das ganze System zu demokratisieren. Sicher muss man aber versuchen, die Politik für Frauen aushaltbar zu machen. So, dass sie mit ihren Stärken in der Politik auch etwas gewinnen können.

Sie haben es gesagt, letztlich wird Politik für Frauen wohl nur aushalbarer, wenn mehr Frauen politisieren.
Das ist essenziell.

Womit wir bei der alten Gretchenfrage wären: Wie bringt man mehr Frauen in die Politik?
Das ist eine vielschichtige Frage. Auch sie kann nicht beantwortet werden, ohne dass man sich mit der Sozialisation der Geschlechter auseinander setzt. Frauen nehmen sich in der Regel eher zurück als Männer. Sie sind weniger selbstbewusst und wollen sich deshalb nicht dem knallharten politischen Alltag aussetzen. Vielleicht ist ihr Bekanntheitsgrad auch zu klein... Kurz, es ist eine Summe von Faktoren, die Frauen am Politisieren hindert. Im Übrigen ist auch unsere Gesellschaft noch nicht so weit, dass die Rollen gerecht verteilt wären. Solange das so ist, haben wir auch nicht mehr Frauen in der Politik. Oder anders gesagt: Hier beisst sich die Katze in den Schwanz, denn zwischen Politik und Gesellschaft besteht in Gleichstellungsfragen eine gegenseitige Wechselwirkung.

In welchen Bereichen ist die Politik konkret schlechter, wenn Frauen nicht daran teilnehmen?
Frauen halten andere Werte für wichtig als Männer. Zum Beispiel die Ausrichtung auf das Gegenüber, den Respekt voreinander und flache Hierarchien. Sie kümmern sich mehr um schwächere und randständige Menschen. Denn sie sind offener gegenüber Menschen, die nicht nach der Norm funktionieren. Zudem fragen sie mehr nach den Auswirkungen politischer Entscheide auf die Umwelt. Das heisst, sie denken nicht nur linear.

Sondern?
Wenn eine Strasse projektiert wird, denken sie an die möglichen Folgen. Zum Beispiel, wie sich das auswirkt auf die Lebensqualität ihrer Kinder. Deshalb - weil die Frauen so sozialisiert sind - brauchen wir Frauen in der Politik. Nicht, weil Frauen das bessere Geschlecht sind.

Dann muss man halt doch mit den Frauenquoten dahinter.
Die Idee der Frauenquoten ist nach dem schlechten Abschneiden der Quoten-Initiative gestorben.

Wie bitte?
Das ist eine Realität. Zudem werden die Frauen durch das Erstarken der politischen Rechten wieder zurückgedängt. Man muss sich das einmal vorstellen: Die SVP, die in den letzten Jahren am meisten gewachsene Partei, ist in den eidgenössischen Räten mit nur gerade drei Frauen vertreten. Es ist denn auch kein Zufall, dass die Grünen zu über 50 Prozent aus Frauen bestehen und auch die SP einen hohen Frauenanteil aufweist. Denn die Linke kämpft noch für deren spezifische Anliegen. Offensichtlich ist ihre Politik für die Frauen attraktiv.

Mit anderen Worten, die Zukunft könnte für die Frauen noch düsterer werden als es die Gegenwart schon ist?
Auf jeden Fall ist es beileibe nicht so, dass der Frauenanteil in politischen Gremien linear ansteigt. Noch einmal: Wenn die Rechte weiter zulegt, sinkt der Frauenanteil in den Parlamenten.

Muss für diese Entwicklung nicht zum Teil auch die junge Generation verantwortlich gemacht werden? Denn die jungen Leute scheinen sich einen Deut um Gleichstellungsfragen zu kümmern.
Ein bisschen schon, denn für sie scheint alles selbstverständlich. Eine eingehende Analyse der Machtverteilung zwischen den Geschlechtern haben sie sicher nicht gemacht. Dabei ist das, wie schon mehrfach betont, zentral. Bei dieser Analyse geht es - salopp gesagt - nicht einfach um die Frage: Wer ist mir sympathischer, sie oder er? Es geht vielmehr um Gerechtigkeit, beziehungsweise um die Frage, wie Macht und Einfluss zwischen den Geschlechtern verteilt wind. Was den drohenden Rückgang des Freuenanteils betrifft, sehe ich noch eine andere Schwierigkeit...

... die da wäre?
Die bürgerlichen Parteien haben gelernt aus ihren Erfahrungen mit starken Frauen wie Josy Meier, Judith Stamm und Rosmarie Dormann. Entsprechend halten sie heutzutage wieder Ausschau nach pflegeleichteren Frauen.

Die Frage, welche Frau sich wann für welchen Posten eignet, hatten wir auch schon. Zum Beispiel 1999, als es vor der Bundesratswahl darum ging, sich zwischen den zwei CVP-Kandidatinnen Ruth Metzler und Rita Roos zu entscheiden. Sie waren klar für Rita Roos. Wie beurteilen Sie heute die Leistung Metzlers aus frauenpolitischer Sicht?
Darf ich zuerst erläutern, weshalb ich damals für Rita Roos war? Wir Grünen und die Parlamentarierinnengruppe führten mit beiden Kandidatinnen Hearings durch. Wir kannten beide nicht. Auf Grund ihrer politischen Positionen war Rita Roos mir einfach näher. Das war der ausschlaggebende Punkt. Oder, wenn man das Rechts-links-Schema bemüht: Ruth Metzler war rechter.

Macht Bundesrätin Ruth Metzler die Frauenpolitik, die Sie sich wünschen?
Bundesrätin Ruth Metzler macht eine wirtschaftsfreundliche Politik. So hatte sie sich vor den Wahlen auch positioniert. Positiv überrascht bin ich von ihrer Haltung in der einbürgerungsgrage. Die von ihrem Departement ausgearbeitete Vorlage ist gut und Bundesrätin Metzler kämpft auch dafür. Auch gegen die Rechte. In der Sans-papiers-Frage hat sie hingegen einen Lösungsansatz gewählt, der mit zu hart ist. Sie ist für Überraschungen gut und deshalb schwer einzuschätzen. Man kann jedenfalls nicht einfach sagen, dass sie stramm rechts stehe.

Ihre Beurteilung Metzlers aus frauenpolitischer Sicht fehlt mir immer noch...
Bundesrätin Ruth Metzler ist nie mit dem Anspruch angetreten, eine Feministin zu sein. Es ist ihr gutes Recht, sich nicht explizit als Frauenrechtlerin zu bezeichnen und auch nicht so zu politisieren.

Wechseln wir auf die höchste politische Ebene unseres Nachbarlandes Deutschland. Dort fiel kürzlich ein aus frauenpolitischer Sicht ebenfalls interessanter Entscheid: CDU-Chefin Angela Merkel wurde trotz entsprechendem Anspruch nicht zur Kanzlerkandidatin erkoren. Scheiterte sie, weil sie eine Frau ist?
Ganz klar, die CDU-Vorsitzende Angela Merkel musste parteiintern über die Klinge springen, weil sie eine Frau ist und nicht wegen ihrer Kompetenz. Da fällt mir noch etwas zu Bundesrätin Ruth Metzler ein: Bei ihr war das Gegenteil der Fall. Sie wurde 1999 zur Bundesrätin gewählt, weil sie eine Frau ist. Denn die CVP musste zum damaligen Zeitpunkt eine Frau bringen. Ich bin mir aber nicht immer sicher, ob Bundesrätin Metzler sich das in genügendem Masse bewusst ist. Sie hatte die Gunst der Stunde, zweifellos. Wenn sie ein Mann gewesen wäre, wäre sie nicht gewählt worden.  
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