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«Solche Aktionen müssen drinliegen»

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Cécile Bühlmann wird Präsidentin von Greenpeace Schweiz.
Neue Luzerner Zeitung, 05. Januar 2006

Die Luzernerin befürwortet gewaltfreien Widerstand gegen Umweltzerstörung. Greenpeace Schweiz soll sich treu bleiben, sagt die neue Chefin. Das heisst: Es wird weiter Spektakel und offenen Widerstand geben solange niemand zu Schaden kommt.

Cecile Bühlmann, wir gratulieren Ihnen zu Ihrem neuen Job
Danke!

Ein Traumjob für Sie als langjährige Fraktionschefin der Grünen?
Die Anfrage fürs Präsidium hat mich sehr gefreut, weil Greenpeace für mich als grüne Politikerin eine der wichtigsten und interessantesten Umweltorganisationen darstellt. Ausserdem sehe ich in dieser strategischen Führungsaufgabe eine gute Ergänzung zu meiner Tätigkeit beim Christlichen Friedensdienst, wo ich seit letzten Herbst operative Chefin bin. Es ist interessant, die Führung zweier NGOs auf verschiedenen Ebenen zu übernehmen. Inhaltlich sind die Tätigkeitsfelder ja klar getrennt.

Hatten Sie das Greenpeace-Präsidium im Auge, als Sie Ende 2005 Ihre politische Karriere beendeten?
Absolut nicht. Der Rücktritt erfolgte wegen meines neuen Jobs beim Christlichen Friedensdienst. Das Engagement bei Greenpeace ist für mich eine glückliche Fügung.

Greenpeace müsse die Welt retten, sagte einst die Geschäftsleiterin von Greenpeace International. Werden Sie die Schweiz retten?
(lacht) Derart grosse Worte möchte ich nicht benützen. Ich würde eher sagen, dass Greenpeace eine Organisation bleiben soll, die immer wieder anmahnt, zu unserem Planeten Sorge zu tragen.

Als Stiftungsratspräsidentin sind Sie für die Strategie verantwortlich. Wollen Sie eine Neuausrichtung vornehmen?
Weil ich das Amt erst im Sommer antrete, möchte ich mich noch nicht über die künftige Politik äussern. Jetzt will ich zuerst schauen und lernen, was der Stiftungsrat bisher gemacht hat. Klar ist, dass der Klimawandel, die Gentechnologie und die Anti-AKW-Bewegung wichtige Themen bleiben.

Im Nationalrat sahen Sie sich nicht in erster Linie als Umweltpolitikerin, sondern als Anwältin der Schwachen. Wird das auf Greenpeace abfärben?
Im übertragenen Sinn ist auch die Natur schwach, weil sie keine eigene Stimme hat. Greenpeace gibt der Umwelt eine Stimme, um sich gegen die Zerstörung zu wehren. Seit ich politisiere, tue ich das bei den Grünen, und da ist mir die Umwelt selbstverständlich ein wichtiges Anliegen. Von der Präsidentin des Greenpeace-Stiftungsrates wird nicht erwartet, dass sie eine Umweltspezialistin ist, sondern dass Umwelt ihr ein Herzensanliegen ist. Und politische Erfahrung sowie ein grosses politisches Beziehungsnetz.

Nach den spektakulären Aktionen der Anfangszeit ist Greenpeace weit gehend von den Titelseiten verschwunden. Wurden Sie geholt, um der Organisation wieder ein grösseres Gewicht zu geben?
Das glaube ich nicht. Sicher hat Greenpeace in den Gründerjahren durch spektakuläre Aktionen auf sich aufmerksam gemacht, im Lauf der Jahre aber stärker hinter den Kulissen zu wirken begonnen. Es wird eine interessante Frage sein, die ich noch nicht beantworten kann, wie die Strategie für die Zukunft lauten muss. Dabei darf man nicht vergessen, dass ein Teil der Kampagnen international festgelegt wird.

Wie wollen Sie den politischen Druck wieder erhöhen?
Das ist bereits im Gang. In den letzten Jahren hat sich Greenpeace mit den anderen Umweltorganisationen vernetzt, um zum Beispiel den Abbau des Verbandsbeschwerderechts zu bekämpfen. Weil der Druck auf die Umwelt gewaltig ist, braucht es Greenpeace auch in Zukunft. Greenpeace spricht junge Aktivistinnen sehr gut an, die bereit sind, auf die Strasse zu gehen und für die Umweltanliegen zu werben. Ich bin zuversichtlich, dass auch weiterhin Menschen bereit sein werden, Energie und Geld in die Institution zu investieren.

Was antworten Sie den Kritikern, die Greenpeace grosse Auftritte mit kleiner Wirkung vorwerfen?
Auf Themen hinzuweisen, ist nicht nichts! Mit spektakulären Auftritten auf Probleme aufmerksam zu machen, ist ein Teil der Strategie, weil man die Probleme sonst in der von Medien gesättigten Welt nicht wahrnehmen würde. Ausserdem hat Greenpeace durchaus etwas erreicht, etwa dass in der Schweiz kein Tropenholz mehr für Türen verwendet wird. Dass es keine Aussaat gentechnisch veränderter Organismen gibt, dass Atommüll nicht versenkt werden darf bei all dem war Greenpeace wesentlich mitbeteiligt. Man muss sich immer fragen: Was wäre ohne Greenpeace? Da sähe es bei der Atomenergie, der Gentechnologie und der Sensibilität für den Klimawandel anders aus.

Gewaltlose, aber nicht unbedingt gesetzeskonforme Aktionen sind ein weiteres Greenpeace-Markenzeichen. Wird das unter Ihrer Führung so bleiben?
Gewaltfreien Widerstand gegen Umweltzerstörung würde ich jederzeit unterstützen. Es muss aber immer sehr sorgfältig abgeklärt werden.

Wird es demnach mehr illegale Aktionen wie jene gegen Ozon bei der Luzerner Seebrücke vom letzten Sommer geben?
Da kam niemand zu Schaden bei einer Aktion, die auf ein Problem aufmerksam machte, bei dem die Leute zu Schaden kommen. Es ist eine Güterabwägung: Für mich ist es schlimmer, wenn man die Umwelt und die Gesundheit der Menschen bedroht, als wenn Greenpeace-Aktivistinnen ohne polizeiliche Bewilligung auf einem Trottoir ein paar Figuren aufstellen. Solche Aktionen müssen jederzeit drinliegen.

Gilt das auch für Besteigungen von AKW-Kühltürmen oder das Anketten an Eisenbahnschienen, um Giftmülltransporte aufzuhalten?
Auch hier geht es um eine Güterabwägung. Mit solchen Aktionen ist Greenpeace gross geworden und auch mir aufgefallen.

Sie arbeiten zu 80 Prozent beim Christlichen Friedensdienst, sind Vizepräsidentin der Eidgenössischen Kommission gegen Rassismus und bald auch höchste Greenpeace-Frau. Werden Sie noch weniger Freizeit haben denn als Nationalrätin?
Auf keinen Fall. Ich gehe davon aus, dass es zusammen höchstens ein Engagement von 100 Prozent brauchen wird. In den letzten Jahren hatte ich weit über 100 Prozent.

Das etwas andere multinationale Unternehmen
«Greenpeace ist eine unabhängige internationale Organisation. Mit kreativer Kampagnenarbeit und gewaltfreier Konfrontation zeigen wir globale Umweltprobleme auf und treiben Lösungen für eine ökologische und friedliche Zukunft voran.» So erklärt sich Greenpeace selber in einer Informationsbroschüre, die auch für sich selber spricht: Bis auf den letzten Punkt durchgestylt, mit grossen vierfarbigen Bildern und prägnanten Sätzen stünde das Werbeheft auch einem internationalen Konzern gut an. Letztlich stellt Greenpeace heute dreieinhalb Jahrzehnte nach der Gründung nicht viel anderes dar: ein hochprofessionelles Unternehmen, in 40 Ländern zu Hause, mit weltweit 2,8 Millionen (zahlenden) Mitgliedern und 1100 (bezahlten) Mitarbeitern.

Hartnäckig, medienwirksam
In der Schweiz ist Greenpeace seit 1984 aktiv. Seither schuf sich die Organisation fraglos einen Namen dank Hartnäckigkeit und dank dem Konzept, vor Konfrontationen nicht zurückzuschrecken, sondern sie bewusst und medienwirksam zu suchen. Damit macht man sich Feinde, klar. Aber Greenpeace schaffte es trotzdem (oder eben gerade wegen des kompromisslosen Kurses) in mehreren Bereichen, Anliegen über die Jahre mehrheitsfähig zu machen.

Die erste grosse Greenpeace-Aktion in der Schweiz endete allerdings mit einer Niederlage: 1986 ketteten sich Aktivisten in Crans Montana an Bäume, um gegen eine Waldrodung für die WM-Piste zu demonstrieren. Die Walliser Bevölkerung befürwortete die Grossveranstaltung und ärgerte sich entsprechend über die Greenpeace-Aktion: «Hängt die Umweltschützer auf, solange es noch Bäume hat», forderte ein Flugblatt. So weit kam es dann zwar nicht. Aber die Aktivisten mussten vor dem Willen der Walliser kapitulieren: Die Bäume wurden gefällt, die Piste wurde gebaut.

Erfolgreicher verlief Mitte der Neunzigerjahre der Einsatz von Greenpeace gegen eine Giftmülldeponie im jurassischen St-Ursanne. Die durchgeführten Besetzungen des Geländes verursachten zwar ebenfalls Irritationen in der Bevölkerung, doch 1995 wurde die Deponie tatsächlich geschlossen. Einer Adelung des Engagements kam es gleich, als sich drei Jahre später die jurassische Regierung bei Greenpeace für den Einsatz bedankte.

Der Gentech-Erfolg
Auch die kompromisslose Haltung der Schweizer gegenüber gentechnisch veränderten Pflanzen kann Greenpeace als Erfolg für sich buchen, wie auch das seit 2003 gültige Kernkraftmoratorium wenn auch sicher nicht exklusiv. Kleinere Fortschritte erreichte die Organisation überdies bei der Ächtung von unzertifiziertem Tropenholz wie auch bei der Förderung von Solarenergie.

Finanziert aus Spenden
Greenpeace Schweiz ist als gemeinnützige Stiftung organisiert. Ihr oberstes Organ ist ein siebenköpfiger Stiftungsrat, der künftig (maximal während sechs Jahren) von Cécile Bühlmann präsidiert wird. Greenpeace Schweiz finanziert sich aus Spenden von Privatpersonen und Stiftungen 2004 kamen 18,7 Millionen Franken zusammen.  
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