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Interview zum Engagemt beim cfd und Greenpeace

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Einsatz für ein gutes Leben für alle
erschienen in friZ, 2/06
14 Jahre sass Cécile Bühlmann für die Grünen im Nationalrat. Seit einigen Monaten leitet sie hauptberuflich eine friedenspolitische NGO und steuert daneben als Stiftungsratspräsidentin eine Umweltorganisation.
Cécile Bühlmann sass im Dezember 2005 zum letzten als Nationalrätin für die Grünen im Bundeshaus. Bereits zwei Monate vorher, im Oktober 2005, trat sie ihre neue Stelle als Geschäftsleiterin des cfd in Bern an. Neben diesem 80%-Pensum präsidiert sie neu auch den Stiftungsrat von Greenpeace Schweiz. Noch bis ins Jahr 2007 hat Cécile Bühlmann ausserdem das Vize-Präsidium der Eidgenössischen Kommission gegen Rassismus inne, welches sie dann – leider – wegen Amtszeitbeschränkung aufgeben muss.

Der cfd ist im Internet unter www.cfd-org.ch zu erreichen. Auf die Ergebnisse des im Interview erwähnten Umstrukturierungsprozess beim cfd werden wir in der nächsten friZ zurückkommen.

Das Interview mit Cécile Bühlmann fand Mitte Mai in Zürich statt, die Fragen stellte Detlev Bruggmann.

Das Wort Frieden kommt im Namen deiner beiden neuen Arbeitgeber vor, sowohl in Christlicher Friedensdienst wie auch in Greenpeace. Ist das ein Zufall? Ja und nein. Beim cfd ist das Wort natürlich offensichtlich. Bei Greenpeace hingegen ist mir das Wort «Frieden» erst im Nachhinein aufgefallen. Ich habe mich dann auf die Suche nach den historischen Ursprüngen des Namens gemacht und bin auf zwei Wurzeln gestossen: Ein Teil der Greenpeace-Gründer kam aus der Anti-Vietnamkrieg-Bewegung und kämpfte gegen die us-amerikanischen Atomversuche, war also ganz klar friedenspolitisch und antimilitaristisch engagiert. Der andere Teil waren Umweltschützer. Beide «trafen» sich, als es 1971 um die Atomwaffenversuche auf Amchitka ging. Irgendjemand kam dann auf die Idee, die gemeinsame Organisation Greenpeace zu nennen: «Wir sind grün und wir sind für den Frieden.»

In Deiner bisherigen beruflichen und politischen Laufbahn tauchen Frieden und Friedenspolitk aber nicht auf? Auf den ersten Blick vielleicht nicht, nein. Ich habe mich bisher auf zwei Themen konzentriert: Feministische Politik sowie Migration/Antirassismus. Wenn man aber den Friedensbegriff so weit fasst wie der cfd, dann sind meine bisherigen Themen sehr wohl friedenspolitisch relevant. Zum Beispiel Empowerment für Frauen: Was will Feminismus anderes als das heutige Ungleichgewicht zwischen den Geschlechtern zugunsten der Frauen zu verändern? Zum Beispiel Migration: Der Einsatz gegen Ausgrenzung und für das gute Leben für alle war schon immer Leitmotiv für mein Engagement. Auch Umweltpolitik sehe ich in diesem Zusammenhang als wichtigen Bestandteil dieses Einsatzes. Als ich das Leitbild des cfd las, habe ich gemerkt, dass ich eigentlich seit Jahren auch Friedenspolitik betrieben habe. Ich war aber nicht im engeren Sinn friedenspolitisch engagiert, wenn damit Anti-Militarismus gemeint ist. Ich finde es zwar wichtig, dass sich auch dort Frauen engagieren, komme selbst aber nicht aus dieser Ecke. Selbstverständlich habe ich aber alle friedenspolitischen Initiativen unterstützt und im Parlament jeweils gegen die Rüstungsgeschäfte gestimmt.

Was bedeuten die beiden anderen Begriffe im Namen des cfd für Dich: Christlich und Dienst? Persönlich habe ich ein ambivalentes Verhältnis zum Christentum. Einerseits stamme ich aus einem streng christlichen Milieu und habe eine Klosterschule besucht. Deshalb habe ich bis 20 einen eigentlichen Overkill an religiösem Zwang erlebt und auch stark dagegen rebelliert. Aus der Distanz sehe ich das mittlerweile aber ein bisschen anders, weil das christliche Milieu auch eine starke Wertevermittlerin war. Wenn ich sehe, wofür ich mich heute einsetze, dann hat das ganz klar Wurzeln in dieser Werteordnung. Ich wende höchstens diese christlichen Werte konsequenter an als viele aktive KirchengängerInnen. Der cfd steckt in einer ähnlichen Ambivalenz gegenüber dem offiziellen Christentum. Dienst ist ebenfalls ein zwiespältiges Wort, bezeichnet es doch etwas, dass vornehmlich den Frauen zugedacht wird: das Dienen. Wenn ich Leute aus nichtkirchlichen Kreisen erzähle, wo ich jetzt arbeite, dann runzeln sie manchmal schon wegen dem Namen «Christlicher Friedensdienst» die Stirn, weil er für sie altertümlich und miefig klingt.

Die Stelle als cfd-Geschäftsleiterin bedeutet noch einen anderen Wechsel in Deiner Laufbahn: Von der Staatsangestellten zur Arbeit bei einer NGO. Mir war schon lange klar, dass ich, wenn ich noch einmal etwas anderes mache, zu einer NGO wechseln möchte. Die Leitung einer NGO zu übernehmen war eine Idee, die schon lange in meinem Kopf herumspukte. Und der cfd ist die Organisation, deren Ziele und Engagement hundertprozentig deckungsgleich sind mit meiner eigenen Weltanschauung. Bei einer NGO kann ich das wählen. Als Staatsangestellte musste ich vieles mittragen, dass von der Politik bestimmt wurde. Zum Beispiel beim Dossier «Interkulturelle Pädagogik», das ich im Kanton Luzern während vieler Jahre betreut habe. Anfänglich konnten wir hier sehr gut arbeiten, aber mit dem Erstarken der Rechten in den 90er Jahren wurde das Thema immer stärker politisiert, die Diskussion hitziger und der Tenor immer mehr: «Wegen der Ausländerkinder können die Lehrer nicht mehr so gut unterrichten...» Als linke Politikerin wurde ich natürlich immer wieder angeschossen, obwohl meine Position genau dem entsprach, was auch andere Fachleute in der ganzen Schweiz zum Thema empfahlen: keine Separation und keine Quoten, sondern zusätzliche Ressourcen.

Weshalb der cfd? Was hat Dich an der neuen Aufgabe gereizt? Eindeutig die ganz klare feministische Ausrichtung der Organisation. Hier muss ich mich nicht jedes Mal dafür rechtfertigen, wenn ich die Dinge einer geschlechterspezifischen Analyse unterziehe. Die feministische Haltung ist das Grundmotiv des cfd, dafür hat er sich entschieden.

Umgekehrt, wovon profitiert der cfd mit Dir? Sicher auch davon, dass feministisches Engagement das Grundmotiv für meinen Einstieg in die Politik war. In den letzten Jahren kamen Minderheiten und Antirassismus als politische Themen dazu, die ebenfalls hervorragend ins Wirken des cfd passen. Dazu kommt meine grosse politische Erfahrung aus der Zeit, die ich im Zentrum der Schweizer Politik zugebracht habe. Ich weiss, wo und wie politische Meinungen gemacht werden – und wie dafür lobbyiert wird. Ausserdem bringe ich ein grosses Netzwerk von Kontakten und Beziehungen mit, das ich in der Politik geknüpft habe.

Welches sind die wichtigsten Aufgaben, die zurzeit beim cfd anstehen? Die Umwandlung in ein feministisches Hilfswerk ist abgeschlossen. Wie geht's weiter? Im Moment steht etwas Schwieriges an: ein Umstrukturierungsprozess aus Geldmangel. Der cfd weist für das letzte Jahr zum zweiten Mal hintereinander ein Defizit auf. Das können wir uns nicht leisten und müssen deshalb reagieren. So gesehen bin ich mitten in eine Strukturdiskussion eingestiegen: Können wir uns das noch leisten, was wir bisher gemacht haben? Können wir uns weiterhin soviel Personal leisten? Sind noch alle Projekte tragbar? Der cfd hat in den letzten Jahren regelmässig Defizite budgetiert, nur konnten die Defizite jeweils mit Legaten gedeckt werden. Diese Finanzstrategie lässt sich jetzt nicht mehr weiterführen: Zum einen fehlten in den letzten beiden Jahren die erwähnten Legate, zum anderen bekommen wir – wie andere kleinen NGO – den «Tsunami-Effekt» zu spüren: Da wir keine Projekte in Südostasien betreuen, gingen unsere Spendeneinnahmen zurück. Meine wichtigste Aufgabe ist es jetzt, dafür zu sorgen, dass der cfd wieder auf finanziell gesunden Beinen steht. Das ist keine sehr angenehme Aufgabe zum Einsteigen, aber unumgänglich.

Was bedeutet das für die «Frauenstelle für Friedenspolitik» innerhalb des cfd? Das weiss ich noch nicht. Wir sind in der Strategiegruppe zurzeit mitten in der Auslegeordnung für die Restrukturierung. Mitte Jahr wird der Vorstand die Entscheide für die neue strategische Ausrichtung fällen. Zur Frauenstelle kann ich deshalb im Moment nur soviel sagen: Es gibt keine Tabus für die Diskussion. Eine Integration im Hauptsitz Bern ist eine der möglichen Optionen.

» Einsatz für ein gutes Leben für alle (Original-Version des Interviews als PDF)  
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