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Unterwegs in Kososva

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Hoffnungsschimmer in Kosova
erschienen in der cfd-Zeitung 4/09

Im Oktober besuchte ich das cfd-Programm in Kosova mit der Programmverantwortlichen Annette Dietschy. Erste Etappe war die Kleinstadt Peja, ganz am Rand des Landes, am Fuss der Berge, über die man in gefährlichen Kurven bis hinüber nach Montenegro fahren könnte. Kaum jemand tut das, nicht nur wegen der abenteuerlichen Fahrt, sondern weil man durch «Feindesland» müsste – auf dem Weg dorthin gibt es Dörfer, die mehrheitlich serbisch sind.

Nach einem Stopp in der romantischen Rugovaschlucht brachte uns die schmale Strasse immer höher hinauf und wir fühlten uns stellenweise in die Schweizer Alpenwelt versetzt. Die BewohnerInnen von Peja fahren hinauf zum Picknicken, auch das kam mir sehr vertraut vor. Einzig das Picknick selbst war anders: die Frauen des Women’s Wellness Center WWC backten für uns eine Flija, packten sie zum Warmhalten in Tücher und verstauten sie im Picknickkorb. Die Flija, ein Art mehrschichtiger Pfannkuchen, hat in Kosova fast den Status eines Nationalgerichtes, braucht zum Gelingen viel Fingerspitzengefühl und wird aufwändig von mehreren Frauen gemeinsam hergestellt.

Obwohl der Name Women’s Wellness Center WWC nach Entspannung klingt, verbirgt sich hinter ihm harte Realität: Das Women’s Wellness Center leistet soziale und juristische Beratung und Begleitung für gewaltbetroffene Frauen und unterhält ein Frauenhaus, in dem Frauen und Kinder vorübergehend Schutz finden. Mit Öffentlichkeitsarbeit, Schulung der Behörden und politischem Lobbying erreicht das Center, dass Gewalt gegen Frauen zunehmend als gesellschaftliches Phänomen wahrgenommen und als Rechtsverletzung behandelt wird. Die Botschaft scheint anzukommen: zusammen mit der WWC-Direktorin Ardita Bala wurden wir vom Stadtpräsident Ali Berisha im Stadthaus empfangen und vor laufender Kamera des lokalen Fernsehens beteuerte er, wie wichtig die Arbeit des WWC sei. Er versprach auch, dass die Stadt Peja ein neues Frauenhaus bauen wolle, damit die schutzsuchenden Frauen mit ihren Kindern mehr Platz bekämen. Das waren wunderbare Nachrichten für das Frauenzentrum.

Die zweite Etappe führte uns nach Prishtina. Auf dem Weg dorthin machten wir einen Abstecher auf das Amselfeld, auf dem im Jahr 1389 die Schlacht stattgefunden haben soll, welche über die Jahrhunderte in der serbischen Geschichtsschreibung eine wichtige Rolle spielte. Das Amselfeld wurde zum heiligen Boden für das serbische Volk hochstilisiert, mit blutiger Konsequenz bis in die neuere Geschichte. Denn Milosecvic zündete dort anlässlich der 600-Jahrfeier die ethnische Lunte gegen die albanische Bevölkerung und der Flächenbrand führte zum Kosovokrieg. Diesen Ort wollte ich mir unbedingt ansehen. Ein abgeriegeltes Gelände, von KFOR-Soldaten streng bewacht, war das Erste, was wir sahen, darauf ein steinerner Turm. Nach strengster Passkontrolle durften wir das Gelände betreten. Auf dem Turm eine Inschrift in kyrillischer Schrift. Unser Begleiter übersetzte den Inhalt: Jeder Serbe müsse im Lauf seines Lebens einmal hierher kommen, wenn er das nicht tue, solle alles erdenkliche Unglück über ihn kommen. Auf meine Frage an einen der Soldaten, ob er wisse, was er da bewache, antwortete dieser, er hätte keine Ahnung.

Am Tag danach fand in Prishtina eine Buchvernissage statt. «Women’s side of» ist die Sammlung von 400 Frauenschicksalen aus den Kriegen im ehemaligen Jugoslawien. Sie zeigt, wohin Rassenwahn und ethnische Säuberungen führen. Das Tröstliche: Frauen aller Ethnien haben sich am Buchprojekt beteiligt und wollen mit diesem Mahnmal verhindern, dass ihre Geschichten vergessen gehen. Tröstlich auch, dass die MitarbeiterInnen des Gender Trainig and Research Center GTCR in Prishtina, einer weiteren Partnerorganisation des cfd, in den serbischen Enklaven über ethnische Grenzen hinweg die Zusammenarbeit mit den serbischen Frauen suchen. Noch ein Hoffnungsschimmer in einem immer noch zerrissenen Land.  
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