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«16 Tage gegen Gewalt an Frauen» - Interview mit Cécile Bühlmann

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Die aktuelle Kampagne legt den Fokus auf das Thema «Schusswaffen in Privathaushalten»
Interview: Julia Hofer, Annabelle

Vom 25. November bis zum 10. Dezember läuft die internationale Aktion «16 Tage gegen Gewalt an Frauen». Cécile Bühlmann, Ex-Nationalrätin und Geschäftsführerin des Christlichen Friedensdienstes (CFD) leitet die Kampagne in der Schweiz und erklärt, warum der Fokus in diesem Jahr auf ein drängendes Problem gelegt wurde: Schusswaffen in Privathaushalten.

annabelle: Cécile Bühlmann, unsere Zeitschrift hat 2006 eine Petition gegen Schusswaffen in Haushalten lanciert – Sie organisieren nun diverse Aktionen zum Thema Waffen und Gewalt gegen Frauen. Was hat sich in der Zwischenzeit alles getan?
Cécile Bühlmann: Die annabelle-Petition hat einiges bewirkt. Der Ball wurde aufgenommen. Insbesondere seit der Lancierung der Volksinitiative «Für den Schutz vor Waffengewalt» 2007 steht das Thema auf der politischen Agenda. Vielen ist bewusst geworden, dass Schusswaffen in Privathaushalten ein grosses Risiko darstellen, insbesondere für Frauen und Kinder. Am 13. Februar 2011 werden wir über die Initiative abstimmen und hoffentlich erreichen, dass Armeewaffen im Zeughaus statt in Privathaushalten aufbewahrt und alle übrigen Waffen registriert werden.

Wie gross ist das Problem in Zahlen ausgedrückt?
In der Schweiz sind 2.3 Millionen Schusswaffen in Privatbesitz, darunter 1.7 Millionen Armeewaffen. Ein Viertel der Schweizer Haushalte sind bewaffnet. Es ist deshalb nicht erstaunlich, dass es bei uns überdurchschnittlich viele Familienmorde mit anschliessendem Selbstmord gibt. Eine Studie sagt, dass jede zweite Woche eine Frau im Zusammenhang mit häuslicher Gewalt umgebracht wird. Über die letzten Jahre hinweg wurden 40 Prozent der Morde in Familien mit Schusswaffen begangen, die zuhause griffbereit herumlagen. Feuerwaffen sind eben ein sehr effizientes Tötungsinstrument. Eine andere traurige Zahl: Jedes Jahr werden rund 250 Suizide mit Schusswaffen verübt.

Seit drei Jahren kann man nun immerhin die Armeewaffe kostenlos im Zeughaus deponieren, die Taschenmunition wurde eingezogen.
Man kann das als Schritt in die richtige Richtung sehen – oder als Versuch, uns den Wind aus den Segeln zu nehmen. Fakt ist: Die Aktion war nicht erfolgreich. Von den 1.7 Millionen Armeewaffen, die zuhause aufbewahrt werden, sind bis im Juni 2010 nur gerade 452 ins Zeughaus gebracht worden. Und das Einsammeln der Munition bringt nichts, weil sie problemlos übers Internet erhältlich ist und man auch ohne Munition mit einer Waffe drohen kann.

Bloss 452 abgegebene Armeewaffen?
Mich hat diese Zahl auch erschreckt. Entweder sind die Soldaten gleichgültig, oder sie sind einem veralteten, aber immer noch verbreiteten Männerbild verhaftet, demzufolge nur ein wehrhafter, also bewaffneter, Mann ein richtiger Mann ist.

Dieses Männerbild wird nun von den Gegnern der Initiative aktiviert.
Ja, und die Angst vor der geschwächten Wehrhaftigkeit wird in Bezug auf das gesamte Land geschürt. Ein kompletter Anachronismus! Denn die Schweiz ist, was die Wirtschaft angeht, eines der globalisiertesten Länder überhaupt. Da ist es absurd, wenn sie ihre Autonomie mit einer der grössten Armeen der Welt – pro Kopf – verteidigen will. Die Idee, dass ein Mann sein Gewehr aus dem Schrank nehmen und sein Haus vor dem anrückenden Feind verteidigen muss, ist ein alter Zopf. Die Schweiz ist von friedlichen Ländern umgeben. Heute gibt es andere Bedrohungslagen wie Terrorismus, Klimaerwärmung oder Finanzkrise, gegen die man sich anders wappnen muss.

Apropos Männerbild: Machen bei «16 Tage gegen Gewalt an Frauen» auch Männer mit?
In vielen Ländern sogar sehr viele, etwa in England und Australien. Dort trugen im letzten Jahr eine Viertelmillion Männer eine weisse Schleife als Bekenntnis, keine Gewalt an Frauen anzuwenden oder zu tolerieren. Nachdem 1989 in Kanada ein Amokläufer 14 Studentinnen erschossen hatte, lancierten dort Männer viele Anti-Gewalt- und Waffenschutzinitiativen. In der Schweiz gibt es keine vergleichbare Bewegung.

Welche Chance geben Sie der Volksinitiative?
Ich kann mir nicht vorstellen, dass es eine Mehrheit der Frauen gut findet, dass ein Sturmgewehr im Kleiderschrank oder auf dem Estrich aufbewahrt wird. Wenn die Frauen, die in der Schweiz die Mehrheit der Stimmbevölkerung ausmachen, zusammen mit all den Männern, die auf unserer Seite stehen, an die Urne gehen – dann gewinnen wir.  
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