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Ein sprachenpolitischer Scherbenhaufen

BERUF
Fachtexte


L’opinione di Cécile Bühlmann
in "Babylonia" 4/05, Zeitschrift für Sprachenunterricht und Sprachenlernen

Vor genau sechs Jahren habe ich in dieser Zeitschrift geschrieben, dass das Gesamtsprachenkonzept der EDK ein kühner Wurf mit einer interkulturellen Perspektive sei. Sechs Jahre später ist von diesem kühnen Wurf nichts mehr übrig geblieben, im Gegenteil! Ein sprachenpolitischer Scherbenhaufen ist angerichtet worden, zu dem viele Akteure beigetragen haben.

Die EDK, die durch das Einsetzen einer ExpertInnengruppe diesen kühnen Wurf damals initiiert hatte, erschrak über ihren eigenen Mut und als erstes wurde die interkulturelle Perspektive hinausgekippt. Das heisst, dass die Sprachen der Migrantenkinder weiterhin da bleiben, wo sie immer waren: marginalisiert am Rand des Bildungswesens. Heute dient die Mehrsprachigkeit der Migrantenkinder gerade noch dazu, von Lehrpersonen als Argument gegen zwei Fremdsprachen in der Primarschule ins Feld geführt zu werden! Das EDK-Trauerspiel ging weiter: statt sich auf ein Gesamtsprachenkonzept, das diesen Namen auch verdient, zu einigen, preschten einzelne Erziehungsdirektoren vor und richteten ein sprachenpolitisches Desaster an. Zürich lernt englisch zuerst, Appenzell lernt französisch überhaupt nicht mehr und in den Kantonen mit anderssprachigen Nachbarn ist es – richtigerweise - unvorstellbar, nicht zuerst die Sprache des geografischen Nachbarn zu lernen. Die Ausflucht aus dem EDK-Dilemma, dass es eigentlich nicht darauf ankomme, mit welcher Sprache man beginne, wenn nur am Ende der Schulzeit alle am gleich Ort seien, ist eine ziemliche Zumutung für alle, die von Mobilität auch schon mal etwas gehört haben. Um das unschöne Bild noch zu vervollständigen, laufen in vielen Kantonen die Lehrpersonen Sturm gegen das Unterrichten von zwei Fremdsprachen auf der Primarschulstufe und führen damit einen Kampf am falschen Objekt und leider oft mit falschen Argumenten. Fachleute fürs Lernen dürfen sich sehr wohl für bessere Rahmenbedingungen und gegen den Spardruck wehren, aber was sie meiner Meinung nach nicht dürfen, ist mit den angeblich überforderten Kinderköpfen zu argumentieren. Es sollte doch inzwischen aus der Hirnforschung bekannt sein, dass frühes Sprachenlernen gut ist für die Entwicklung des Denkens generell. Deshalb ist meine grösste Sorge die, dass dieser Streit dazu führt, dass wir den Lernenden etwas vorenthalten, das für ihr ganzes Leben von Vorteil wäre. Darf das ein Bildungswesen? Ich meine nein!   
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