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17.09.03: Embryonenforschungsgesetz

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Zum Bundesgesetz über die Forschung an überzähligen Embryonen und embryonalen Stammzellen

Im Namen der grünen Fraktion bitte ich Sie, auf das vorliegende Gesetz nicht einzutreten, aus den Gründen, die Maya Graf genannt hat, und die Frage im Zusammenhang mit dem Bundesgesetz über die Forschung am Menschen zu regeln.

Unsere Vorbehalte gegenüber der Forschung an Embryonen und an embryonalen Stammzellen haben aber über die Frage hinaus, wo das Ganze geregelt werden soll, ganz grundsätzlichen Charakter. Was hier so technisch als Forschung an Zellen zum Zwecke der Heilung daherkommt, hat grosse Bedeutung für die Frage, wie wir mit der Würde menschlichen Lebens umgehen, wie sehr wir und ob wir dieses vor dem Zugriff der Forschung und der Kommerzialisierung schützen wollen oder eben nicht.

Wieder einmal wird uns unsere Zurückhaltung dieser Forschung gegenüber von einigen von Ihnen bestimmt als Zumutung für jene ausgelegt, die doch nichts sehnlicher wünschen, als von so schlimmen Krankheiten wie Diabetes, Parkinson oder Alzheimer geheilt zu werden; und wer möchte das schon nicht? Wenn es nur so einfach wäre! Wieder einmal stehen wir vor der Herausforderung, den Heilsversprechen der Forschung und der Arzneimittelindustrie unsere Bedenken grundsätzlicher Art über den Umgang mit menschlichem Leben entgegensetzen zu müssen. Wir tun das nicht, weil wir forschungsfeindlich sind, sondern weil wir die Gefahren dieser Forschung höher als die möglichen Erkenntnisse zur Heilung von Krankheiten gewichten und weil wir überzeugt sind, dass es andere und ethisch unproblematischere Methoden gibt, um das Ziel zu erreichen, als die umstrittene Forschung an embryonalen Stammzellen. Unsere Erfahrung bezüglich des Umgangs der Forschung mit menschlichem Erbgut hat uns zu dieser kritischen Haltung gebracht.

Blenden wir kurz zurück: Mit der Einführung der In-vitro-Methoden wurde der Forschung der Zugriff auf weibliche Eizellen ermöglicht. Wir feministischen Frauen haben schon damals davor gewarnt, damit werde die Büchse der Pandora geöffnet. Beschwichtigung war angesagt: Es wurde versprochen, man werde am menschlichen Erbgut nicht forschen und die In-vitro-Methode einzig und allein dazu gebrauchen, kinderlosen Paaren zu ihrem vermeintlichen Recht auf ein eigenes Kind zu verhelfen; wer konnte ihnen das schon verargen? Dank dieser Zusicherung haben wir schliesslich dem Fortpflanzungsmedizingesetz zugestimmt.

Nun soll die Büchse der Pandora weiter geöffnet werden. Dass die In-vitro-Fertilisation eine aufwendige, schmerzhafte und keinesfalls risikolose Methode ist, bei der sich die Frauen einer happigen Hormonbehandlung unterziehen müssen, damit statt nur einer Eizelle pro Zyklus gleich mehrere Eizellen heranreifen, und dass man diese den Frauen dann in einer keineswegs leichten Operation entnehmen muss, sei hier doch auch noch einmal in Erinnerung gerufen; nur damit ja niemand meint, es sei für die Betroffenen unproblematisch, an weibliche Eizellen heranzukommen. Diese sollen nun ja nicht mehr nur für den ursprünglichen Zweck, nämlich für die Fortpflanzung, gebraucht werden, sondern eben neu zum Forschungsgegenstand "embryonale Stammzellen" umfunktioniert werden.

Ich habe das so drastisch geschildert, wie es ist, damit ja niemand vergisst, dass es sich hier nicht um einen Forschungsgegenstand wie jeden anderen handelt. Die Beschwichtigungen, wonach die In-vitro-Methode nur zur Fortpflanzung zugelassen werde, sind aber bereits Schnee von gestern. Bereits wird in der Schweiz an embryonalen Stammzellen geforscht, der Tabubruch ist mit der Stammzellenforschung bereits Realität, und der nächste Tabubruch steht schon vor der Tür, das so genannte therapeutische Klonen. Warum denn sonst müssten wir im Schnellzugstempo dieses Gesetz durchpauken? Damit wir die politische Rechtfertigung für etwas nachschieben, was in den Forschungslabors bereits gemacht wird.

Ich wette mit Ihnen, dass das beim nächsten Tabubruch, eben beim therapeutischen Klonen, dann genau so sein wird. Man wird uns erzählen: Wenn es die Schweiz nicht tut - das hat auch der Kommissionssprecher gesagt -, tun es Italien oder ein anderes Land, Herr Antinori soll ja bereits am Forschen sein. Man wird uns erzählen, dass es zum Heilen von Krankheiten nötig sei und dass unsere Wirtschaft zugrunde gehe, wenn wir nicht mitziehen. So wird Schritt um Schritt der Zugriff auf menschliches Erbgut vor sich gehen, und die Industrialisierung und Kommerzialisierung menschlichen Lebens wird weitergehen.

Es wird auch versprochen, mit der embryonalen Stammzellenforschung nicht nur einzelne Zelltransplantationen erreichen, sondern ganze Organe entwickeln zu können. Bei dieser utilitaristischen Logik machen wir Grünen nicht mit, denn wenn überhaupt je einmal mit dieser Methode anwendungsreife Therapien erreicht werden sollen, was selbst von vielen Wissenschafterinnen und Wissenschaftern schwer bezweifelt wird, müsste man zuerst Embryonen als Massenware haben, die man dann forschend "vernutzen" kann - eine schreckliche Vorstellung. Wir bieten nicht Hand zu dieser Entwicklung, zumal es Alternativen wie die Forschung an adulten Stammzellen, an Nabelschnurblutzellen und andere ethisch viel weniger heikle Methoden gibt, die unserer Meinung nach und auch nach der Meinung vieler Forscher noch gar nicht genügend erforscht sind.

Wir sind nicht bereit, uns von der Forschung den Takt und die Richtung diktieren zu lassen, wenn es um so heikle Fragen wie die Würde menschlichen Lebens geht, und aus diesen grundsätzlichen Überlegungen bitten wir Sie, gar nicht auf die Vorlage einzutreten.  
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