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Kolumne 60plus: Unlautere Methode!

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Unlautere Methode!
Kolumne erschienen auf der Website von Luzern60plus, März 2015

„Jedes zweite Neugeborene wird 100 Jahre alt" sagte uns ein Werbespot, der ums Jahresende vom Schweizer Fernsehen mehrmals ausgestrahlt wurde. Diese Aussage war neu und überraschend für mich, zudem war der ganze Spot ausserordentlich berührend: einmal wurde dem 102-jährigen Karl der neugeborene Flavio liebevoll in den Arm gelegt, dann war es die 100-jährige Rosa, welche die neugeborene Nayana anlächelte, dann die 100-jährige Reine, die die kleine Leonie behutsam in den Armen hielt. Der Spot forderte auf, über die Tatsache, dass wir immer älter werden, nachzudenken. Der gut gemachte und geheimnisvolle Spot fiel auf. Die Botschaft war allerdings ambivalent: die Bildsprache sagte, dass es schön ist, immer älter zu werden; aber der eingeblendete Text deutete an, dass sich hinter dieser Tatsache doch ein Problem versteckt.

Meine erste Frage war: wer steckt dahinter und wann kommt die Auflösung? Wann wird das Rätsel gelöst? Es gab ja auch schon andere Werbebotschaften, die erst in einer zweiten Phase mit einem überraschenden Aha-Effekt entschlüsselt worden waren. Solange wollte ich aber nicht warten und ging auf die angegebene Webseite: www.wirlebenimmerlaenger.ch.

Da standen Sätze wie „Rund 6000 Liter Milch trinkt ein Schweizer in seinem Leben" oder "In unserem Leben schauen wir uns rund 162 Filme an oder "Über 1 000 000 Kilometer legt jeder Schweizer in seinem Leben zurück". Die Verwirrung wurde immer grösser und weit und breit fand sich keine Angabe über die Autorenschaft, keine Erklärung zur geheimnisvollen Botschaft, kein Beweis für die Behauptung, dass jedes zweite Neugeborene hundertjährig werde.

Dahinter steckt eine Lebensversicherung
Die Lösung des Rätsels brachte Mitte Januar die Konsumentenzeitung „Ktipp". Sie hat herausgefunden, dass hinter dem Werbespot der Lebensversicherer Swiss Life steht. Dieser hat im Jahr 2013 mit dem Pensionskassengeschäft 678 Millionen Franken Gewinn gemacht. Dieses Geld gehört eigentlich den Versicherten. Swiss Life aber spielt lieber mit der Angst, dass zu viele Menschen in Zukunft an die Rententöpfe kommen könnten und dass das unbezahlbar sei. Und so bereitet Swiss Life mit diesem Spot emotional den Boden für eine Rentensenkung vor. Die bisherigen Versuche wurden von den Stimmberechtigten abgelehnt.

Es ist ziemlich unverfroren, mit solch spekulativen Szenarien zu arbeiten! Es gibt keine begründete Prognose, die sagt, dass die Hälfte der Neugeborenen einmal 100 Jahre alt wird. Im Jahr 2013 lag die durchschnittliche Lebenserwartung Neugeborener gemäss dem Bundesamt für Statistik bei 82.7 Jahren. Die Entwicklung der Lebenserwartung zeigt, dass die Zunahme geringer ist als in früheren Phasen. Swiss Life braucht also falsche Zahlen, um eigene Interessen gegen die der Versicherten durchzusetzen. Das steht hinter dem verführerisch gemachten Spot. Es würde mich nicht wundern, wenn der Spot mit Beiträgen der Versicherten bezahlt worden wäre.

Nachtrag: seit der „Ktipp" die Swiss Life geoutet hat, prangt nun ihr Logo sowohl auf der Webseite wie im Fernseh-Spot. Aber von der falschen Aussage distanziert sie sich nicht.  
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