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Laudatio Ida-Somazzi-Preis

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Preis für konsequente Parteinahme und für die unermüdliche Arbeit
Laudatio zur Verleihung des Ida-Somazzi-Preises 2015 an das Netzwerk Asyl Aargau

Liebe Patrizia Bertschi, liebe Franca Hirt

Stellvertretend für das Netzwerk Asyl Aargau können Sie beide heute den Ida-Somazzi-Preis in Empfang nehmen, welcher Personen und Organisationen verliehen wird, die sich beispielhaft für die Menschenrechte und die Menschenwürde einsetzen. Sie beide sind die Pionierinnen und Motoren des Netzwerkes Asyl des Kantons Aargau, welches aus dem Vorläuferverein „Zwangsmassnahmen Aargau“ und dem Besuchsdienst für das Ausschaffungsgefängnis entstanden ist. Das Netzwerk Asyl ist aus der heutigen Politlandschaft des Kantons Aargau nicht mehr wegzudenken. Und der Kanton Aargau ist Schweiz weit bekannt dafür, dass er politisch gesehen ein rechter Kanton ist, in dem es sozial engagierte Menschen und „Fremde“ nicht einfach haben. Es ist der Kanton, in dem das beschämende „Grillieren gegen Asylanten“, stattgefunden hat. So etwas ist nur möglich, weil Asylsuchende während Jahren generell als Gefahr, gegen die man sich wehren müsse, verunglimpft worden sind. Dass tonangebende Kräfte solchen Exzessen nicht Einhalt geboten sondern mitgemacht haben, wirft kein gutes Licht auf die Politik! Und in diesem gesellschaftlichen Klima macht das Netzwerk Asyl seine Arbeit, Tag für Tag, seit ziemlich genau zehn Jahren, denn im November dieses Jahres feiert der Verein sein 10-jähriges Bestehen.

Er entstand aus Empörung über die Verschärfungen im Asylgesetz, die Gründerinnen glaubten, dass sich die Schraube nicht mehr weiter drehen könne. Das war damals vor zehn Jahren und heute stehen wir vor der Tatsache, dass die Festung Europa und mittendrin das Binnenland Schweiz die Schotten immer noch dichter gemacht hat. Für viele Flüchtlinge werden die Grenzen Europas zum Grab. Lampedusa ist zum Brennpunkt für diese Entwicklung geworden. Es ist ein unerträglicher Gedanke, dass Tag für Tag Menschen aus dem globalen Süden auf der Suche nach einem besseren, menschenwürdigen Leben im Mittelmeer ertrinken. Normalerweise schaut die Welt gleichgültig zu, man hat sich daran gewöhnt. Nur wenn wieder einmal bekannt wird, wie das Mittelmeer zum Massengrab geworden ist, wallt die Empörung darüber kurz auf. Von der Politik wird dann jedes Mal das heuchlerische Bekenntnis abgegeben, dass sich so etwas nie mehr wiederholen dürfe und dann hält rasch wieder die alltägliche poltische Routine Einzug. Das hiess in den letzten Jahren, die Abschottung dichter und die Stacheldrähte höher zu machen, so dass die Gefahren für die Menschen, die aus dem Elend ausbrechen und den Weg nach Europa unter die Füsse nahmen, grösser wurden. Viele junge Menschen in Ländern des Südens haben von Geburt weg keine Chance auf ein menschenwürdiges Leben. Diesem Schicksal versuchen sie zu entfliehen. Was sie bei uns suchen, sind Perspektiven für ein Leben ohne Armut und in Würde, wie das unsere ausgewanderten Vorfahren über Jahrhunderte auch getan haben. Es ist genauso legitim, vor Not, Perspektivlosigkeit und Elend zu flüchten wie vor Krieg und Verfolgung. Ich weiss schon, dass unser Asylgesetz dafür nicht vorgesehen ist. Aber die Unterscheidung in richtige Flüchtlinge und Wirtschaftsflüchtlinge dient doch nur dazu, die Augen vor der grossen Ungerechtigkeit zwischen Wohlhabenden und „Habenichtsen“ zu verschliessen. Solange wir es nicht zustande bringen, weltweit gerechtere Verhältnisse zu schaffen, solange weltweit tätige Konzerne - viele davon mit Headquarters in der Schweiz - den globalen Süden wie ihren Hinterhof behandeln, den man ohne Rücksicht auf die Bedürfnisse der Menschen und der Umwelt ausbeuten kann, solange wird sich diese Situation nicht ändern. Und wir werden wieder und wieder Tote im Mittelmeer betrauern und Lampedusa wird nicht zur Ruhe kommen.

Vor dem Hintergrund dieser poltischen Grosswetterlage macht das Netzwerk Asyl Aarau unermüdlich seine Arbeit. Über hundert engagierte Menschen bilden dieses grossartige Netz. Es sind Menschen, die nicht tatenlos zusehen wollen und gegen diese Ungerechtigkeit aktiv wurden, allen widrigen Umständen zum Trotz! Das Netzwerk hat in den zehn vergangenen Jahren eine beachtliche Tätigkeit entwickelt. Es hat mehrere regionale Kontaktstellen geschaffen, welche wie Drehscheiben und Treffpunkte funktionieren, in denen Hilfe bei Notfällen und juristische Beratungen geboten, ungerechtfertigte Ausschaffungen verhindert und Familienzusammenführungen gemacht werden. Die Aufnahme von Asylsuchenden ohne Unterkunft, die sorgfältige Abklärung der Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen auf der Flucht sind weitere tägliche Aufgaben des Netzwerkes. Im Weiteren hat das Netzwerk den „Meeting-Point 16-18“ für Jugendliche geschaffen, die auf der Flucht Opfer von Missbrauch und Gewalt geworden sind. Das Netzwerk ist der Überzeugung, dass Jugendliche einen besonderen Anspruch auf sorgfältige Abklärungen haben und dass ihre Integrationsmöglichkeiten besonders zügig an die Hand genommen werden müssen.

In den regionalen „contacts“, den Treffpunkten für Asylsuchende und Interessierte aus der Region, findet ein reger Austausch statt. Die Mitarbeitenden des Netzwerkes erfahren, wo die Probleme liegen, sie beraten, unterstützen und suchen nach Lösungen. „Wir vertrösten die Hilfesuchenden nicht auf bessere Zeiten – wir handeln!“ sagt dazu Franca Hirt von der Geschäftsstelle des Netzwerkes. Es wird aber auch miteinander gespielt und Kaffee getrunken und die Freiwilligen geben den Flüchtlingen etwas, was in der heutigen Zeit eher rar ist, nämlich ihre Zeit! Und sie bekommen etwas, was sie ganz offenbar dafür entschädigt: Kontakt mit Menschen und Einblick in Welten, die sie sonst nie haben würden. Es mag etwas pathetisch tönen, aber ich kann mir gut vorstellen, dass das auf eine Art einen neuen Sinn des Lebens gibt.

Franca Hirt, die Leiterin der Geschäftsstelle und Mitgründerin, mit der Rechtsberatung an der Front tätig, hat sich ein riesiges Know how über die Asylgesetzgebung angeeignet. Sie weiss inzwischen viel mehr darüber als manche Juristen. Sie hat sich im Laufe der Jahre über all die Fälle, die auf ihrem Tisch landeten, kundig gemacht und gilt heute als eine der profundesten Kennerinnen der Schweizer Asylgesetzgebung.

Franca Hirt und Patricia Bertschi stehen in Kontakt mit den verantwortlichen Behörden im Asylbereich und vernetzen sich mit engagierten PolitikerInnen, verweisen öffentlich auf Ungereimtheiten und fordern Änderungen im Sinne einer korrekten und menschenwürdigen Asylpolitik ein.

Ohne den unermüdlichen Einsatz von Patricia Bertschi als Präsidentin des Vereins gäbe es das Netzwerk in dieser Form wohl nicht. Sie ist eine unermüdliche Netzwerkerin für die Sache der Flüchtlinge. Sie hat sich damit das schwierigste Thema vorgenommen, das es in der Schweizer Politlandschaft überhaupt gibt. Als ehemalige Politikerin kennt Patricia Bertschi den schmalen Grat ganz genau, auf dem sie geht, wenn sie mit den Behörden zusammenarbeiten will und muss. Sie weiss, wie schwierig es ist, ihre Ecken und Kanten, ihre mutige Positionierung nie aufzugeben und die Enge der politischen Realität akzeptieren zu müssen. Dank dem, dass sie als SP-Politikerin im Kanton Aargau schon viele Anfeindungen erlebt hat, haut es sie als Präsidentin des Netzwerks Asyl so schnell nicht mehr aus den Schuhen.

Das alles wäre natürlich nicht möglich ohne den engagierten Vorstand, ohne Stefan Dietrich und Jürg Keller, ohne Valentin Emmenegger, der sich für die Öffentlichkeitsarbeit stark macht und ohne Kathrin Fricker, die für die Kommunikation zwischen Parlament und Netzwerk zuständig ist. Ihnen allen gehört der Preis! Und den über 100 Freiwilligen, die sich im Netzwerk engagieren. Es sind alles Leute mit Empathie, die sich einfühlen können in die Situation der Flüchtlinge. Sie wollen nicht wegschauen vor der Not, sie lassen sich den Verstand nicht durch fremdenfeindliche Parolen vernebeln, sondern setzen diesen den Tatbeweis der konkreten Hilfe entgegen. Das ist eine grosse Leistung, die Anerkennung verdient. Ihnen möchte ich den eindrücklichen Text von Pastor Martin Niemöller, der das Konzentrationslager Dachau überlebt hat, widmen: „Zuerst kamen sie, um die Sozialisten zu holen. Ich sagte nichts, ich war ja kein Sozialist. Dann kamen sie, um die Gewerkschafter zu holen. Ich sagte nichts, ich war ja kein Gewerkschafter. Dann kamen sie, um die Juden zu holen. Ich sagte nichts, ich war ja kein Jude. Dann kamen sie, um mich zu holen. Und es war niemand mehr da, der etwas hätte sagen können.“

Die Freiwilligen des Netzwerkes schweigen nicht, sie handeln und ich hoffe, dass ihr Engagement beeindruckt und möglicherweise ans schlechte Gewissen derer rührt, die nichts gegen die Verunglimpfung der Flüchtlinge tun oder gar mit den Wölfen heulen. Die im Netzwerk Asyl Aargau engagierten Menschen tun etwas Konkretes gegen die Ungerechtigkeit. Es mag ja nur der berühmte Tropfen auf den heissen Stein sein, aber viele Tropfen zusammen ergeben schliesslich auch ein Meer! Der Verein Netzwerk Asyl Aargau erhält für diese konsequente Parteinahme und für die unermüdliche Arbeit für eine menschwürdige Aufnahme von Asylsuchenden und Flüchtlingen den Somazzi-Preis! Herzliche Gratulation!  
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