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Kolumne 60plus: Rentenklau-Vorwurf

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Klauen wir Alten den Jungen die Renten?
Kolumne erschienen auf der Website von Luzern60plus, Mai 2016

Die Kassandras der Pensionskassen gelangen mit immer apokalyptischeren Warnungen an die Öffentlichkeit. Nachdem sie kürzlich die zu langlebigen Männer als Problem identifizierten, lautet die neuste Schlagzeile: „Jeder Junge zahlt über 1000 Franken an Rentner.“ Die Pensionskassen-Experten lassen sich zum Vorwurf an die ältere Generation hinreissen, sie würde den Jungen die Renten klauen. Ungewohnte Töne aus ungewohnter Ecke, denn der Vorwurf des Rentenklaus wurde vor noch nicht allzu langer Zeit von den Gewerkschaften den Pensionskassen und der Politik gegenüber erhoben. Diese wollten schon mal durch die Senkung des Umwandlungssatzes den Versicherten massive Einbussen der Renten zumuten. In einer Volksabstimmung im Jahr 2010 wurde dieses Vorhaben wuchtig gebodigt.

Die neuen Pläne zur Sanierung der Pensionskassen sehen nebst der Erhöhung des Frauenrentenalters auf 65 Jahre eine noch krassere Senkung des Umwandlungssatzes auf 6 Prozent vor. Die Pensionskassenexperten versuchen nun, diesem Anliegen mit einer sehr zweifelhaften Methode den Boden zu ebnen: sie werfen den Rentnerinnen und Rentnern Rentenklau vor! Das Muster bleibt immer das Gleiche: es wir gejammert, weil das System mit dem Ansparen der Renten nicht mehr rentabel betrieben werden kann und die Schuldigen sind jedes Mal sofort identifiziert: die heutigen Rentenbezügerinnen! Diese beziehen nicht nur eine zu hohe Rente, sondern leben auch noch viel zu lang.

Glauben die Pensionskassenleute ernsthaft, dass mit Vorwürfen dieser Art, meine Generation ins Boot zu holen sei? Bei einer kürzlich darüber geführten Diskussion im Freundeskreis stellte ich fest, dass es verschiedene Reaktionsmuster auf diese Art der Kommunikation gibt: die einen ärgern sich über den Rentenklau-Vorwurf, und den andern ist es ziemlich egal, sie nehmen ihn ganz einfach nicht ernst. Dabei gibt es ein ernsthaftes Problem, das gelöst werden muss, da waren wir uns alle einig.

Wir müssen uns als Gesellschaft, die eine einigermassen gerechte und soziale Altersvorsorge will, etwas einfallen lassen. Die Pensionskassen selber könnten einen Teil dazu beitragen, indem sie ihre viel zu hohen Verwaltungskosten weiter senken. Mir sind die entsprechenden Zahlen von 2007 bekannt. Da wurden, um die 800 Milliarden Pensionskassenvermögen zu bewirtschaften, den rund 2500 Vorsorgeeinrichtungen 784 Millionen Franken an Verwaltungsaufwand und 1948 Millionen an Vermögensverwaltungskosten belastet. Die «Bilanz» rechnete im Jahr 2010 vor, dass jährlich pro Versicherten Kosten von 1820 bis 2270 Franken anfallen. Wer während 35 Jahren einzahlt, den kommt die Verwaltung seines Alterskapitals durchschnittlich auf 70?000 Franken zu stehen. Das nur so wegen des Vorwurfs des Rentenklaus!

Ein grosser aber wichtiger Schritt wäre die Stärkung der ersten Säule, der AHV, auf Kosten der zweiten Säule. Sicher kann die Alternative nicht sein, dass sich die Leute in Zukunft nur noch mit einer privaten dritten Säule ein würdiges Alter leisten können. Das wäre der Abschied von einer der sozialsten Ideen, die mit der Einführung der AHV im Jahr 1948 in der Schweiz Fuss fasste.

In diese Richtung zu denken wäre jedenfalls viel gescheiter, als den Alten ein schlechtes Gewissen zu machen und den Generationenkonflikt unnötig anzuheizen.  
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