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Kolumne 60plus: Babyboomer

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Wie werden die Babyboomer im hohen Alter leben?
Kolumne erschienen auf der Website von Luzern60plus, Juli 2015

Kürzlich war ich als Podiumsteilnehmerin eingeladen, um meine Vorstellungen zu präsentieren, wie ich es im Alter denn gerne haben würde, wie ich wohnen möchte und wie ich einst gepflegt zu werden wünsche. Eingeladen zu diesem Public Talk hatte Curaviva, und etwa 200 Leute sind der Einladung gefolgt. Es entspann sich rasch eine rege Debatte darüber, wie denn unsere Zukunftswünsche aussehen würden. Auf dem Podium waren sich alle einig, dass das traditionelle Altersheim ein Auslaufmodell sei und dass wir unseren Lebensabend nicht in einer solchen Institution verbringen möchten. Nicht ganz erstaunlich, waren wir doch fast alles Babyboomer, denen man nachsagt, dass sie im Vergleich zu ihren Eltern eine sehr individualistische und ökonomisch recht gut gestellte Generation sei. Mit den Babyboomern steht also eine Generation im Fokus der Alters- und Pflegeinstitutionen, die es von ihrer Prägung her gewohnt ist, mehr mitzubestimmen und sich selber zu informieren, was es wo für Angebote gibt – und auch selbst Lösungen sucht.

Auf dem Podium herrschte Konsens darüber, dass das Wohnen in den eigenen vier Wänden das Modell der Zukunft sei. So weit so gut. Aber auch die selbstbestimmtesten Babyboomer kommen in eine Lebensphase, in der sie möglicherweise ihr Leben nicht mehr allein meistern und auf Hilfe angewiesen sein werden. Heute leben in der Schweiz gut 400 000 Menschen über 80, und Prognosen gehen davon aus, dass es im Jahr 2040 doppelt so viele sein dürften. Das führt selbstverständlich auch zu einer Zunahme Pflegebedürftiger. Taugt dann das Modell der eigenen vier Wände noch?

Dazu gab es auf dem Podium interessante Perspektiven: Die eigenen vier Wände müssen nicht die sein, in denen man sein bisheriges Leben verbracht hat. Es kann eine altersgerechte Wohnung in einem durchmischten Quartier sein, in die man umzieht, wenn einem die eigene Wohnung zu gross oder zu umständlich geworden ist und über keinen Lift verfügt. Einer der Podiumsteilnehmer ist Fachmann für Wohnen im Alter und berät Personen und Institutionen über Anpassungen und Veränderungen, die für altersgerechtes Wohnen vorgenommen werden müssen. Er plädierte dafür, dass man nicht mehr spezielle Institutionen und Zentren für Alte plane, sondern in ganz normalen Siedlungen und Quartieren Wohnungen baue, die auch für Betagte tauglich seien, und dass Stützpunkte für Betreuung und Unterstützung in jede neue Siedlung gehörten.

Die hochbetagte Babyboomerin wird also nicht mehr im Altersheim leben, sondern in einer Wohnung, und sie wird mit fortschreitender Pflegebedürftigkeit die entsprechenden Angebote wie Essensdienst, Spitex, usw. in Anspruch nehmen, die es in allen Quartieren geben wird. Sie schätzt es, Kinos und Theater und Haltestellen des ÖV in der Nähe zu haben. Vielleicht tut sie sich auch mit andern zusammen, back to the roots sozusagen, sind doch nicht wenige Babyboomer auch Alt-68erInnen und haben in ihrer Jugend in WGs gelebt.

Am Sonntag nach der Veranstaltung machte ich eine Velotour und kam am Dorfrand von Emmen an einer riesigen Baustelle vorbei. Hier entstehe das neue Betagtenzentrum Emmenfeld, lese ich, und mir kommt das Gespräch von vor ein paar Tagen in den Sinn, dass Altersheime Auslaufmodelle seien, dass die kommende Generation der Betagten autonom und unter anderen Leuten wohnen möchte, dort wo das Leben pulsiert. Ich bin irritiert. Hat man in Emmen von solchen Debatten noch nie gehört, wurde da eine Entwicklung verpasst oder war das Podium der Zeit zu sehr voraus? Am 15. September wird das auf der grünen Wiese entstandene neue Betagtenzentrum Emmenfeld eingeweiht. Man wird es als Investition in die Zukunft preisen. Ich zweifle, ob die Festredner recht bekommen.  
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