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Kolumne 60plus: Filmpreis

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Noch nicht so lange ist es her….
Kolumne erschienen auf der Website von Luzern60plus, Januar 2017

Zu meiner grossen Freude hat der Film „Die göttliche Ordnung“ an der Solothurner Filmtagen den Jurypreis erhalten. Es hat 45 Jahre gedauert, bis endlich ein Film eines der wichtigsten Ereignisse der jüngeren Schweizer Geschichte erzählt, nämlich die Einführung des Frauenstimmrechts im Jahr 1971. Vor der Kulisse eines idyllischen Dorfes, vermutlich irgendwo im Kanton Appenzell, siedelt die Regisseurin Petra Volpe diese amüsante und gleichzeitig sehr nachdenkliche Geschichte an. Aufgeweckt durch die Debatte um die Stellung der Frauen in Gesellschaft und Familie, die im Vorfeld der Abstimmung auch vor dem abgeschiedenen Dorf nicht Halt machte, wagten sich ganz wenige Mutige, ihre Zustimmung zum Frauenstimmrecht öffentlich kundzutun. Die Gegenreaktionen im Dorf waren heftig, die Gegnerfront schien hermetisch geschlossen. Mit Drohen und Lächerlichmachen versuchte sie, die Aufmüpfigen in die Schranken zu weisen. Sie erreichte aber das Gegenteil, die Frauen begannen überzulaufen und waren schliesslich nicht mehr zu halten.

Sie schlossen sich den Befürworterinnen an und zusammen durchliefen sie dann im Zeitraffertempo einen rasanten Emanzipationsprozess bis hin zum Frauenstreik. Dieses Tempo ist etwas gar unrealistisch und einige Themen, wie die Kritik am patriarchalen Ehemodell, Gewalt gegen Frauen und die Enttabuisierung der weiblichen Sexualität sind erst in späteren Jahren durch die Neue Frauenbewegung aufs Tapet gekommen. Aber gerade in der Darstellung dieser geballten Ladung Frauenverachtung, wie sie bis in die 90er Jahre noch gang und gäbe war, liegt die Stärke dieses Films. Und obwohl der Film als Komödie konzipiert ist, bleibt einem oft das Lachen im Hals stecken, denn die Regisseurin zeigt einfach, wie es damals punkto Geschlechterrollen real zu- und herging. Das wirkt heute 45 Jahre später unglaublich lächerlich und peinlich.

Es gibt auch sehr nachdenkliche und berührende Momente: wenn eine der Frauen, die Verletzungen im Gesicht hat, im Kreise der streikenden Frauen endlich zu sagen wagt, dass diese nicht von einem Sturz sondern von den Schlägen ihres Mannes stammen. Und als sie sagte, dass ihr diese aufmüpfigen Frauen unendlich viel Kraft gäben, um das nicht mehr weiter zu erdulden, dann rührte mich das zu Tränen. Denn genau das ist in meiner Erinnerung das, was die Frauenbewegung mir vermittelte: das Gefühl, mit meinem Unbehagen angesichts der Einschränkungen, die Frauen allein auf Grund ihres Geschlechts erlitten, nicht allein zu sein. Dieses Wir-Gefühl vermittelte nicht nur mir eine grosse Energie, daraus schöpfte die ganze Frauenbewegung ihre Stärke. So gelang es dann ab der 80-er Jahre, eine frauenfeindliche Bastion nach der andern zu schleifen so dass es heute ein Eherecht ohne männliches Oberhaupt, ein fortschrittliches Gleichstellungsgesetz, die Fristenregelung, das Verbot der Vergewaltigung (auch) in der Ehe, das Splitting und die Betreuungsgutschriften in der AHV und die Mutterschaftsversicherung gibt. Alle diese Errungenschaften sind nicht auf den eigenen Füssen dahergekommen, sondern wurden Schritt für Schritt von uns Frauen erkämpft.

Von diesen Anfängen erzählt der Film und ich wünsche ihm viel junges Publikum. Vor allem auch junge Frauen sollten ihn anschauen, damit sie sehen, dass es noch nicht so lange her ist, dass die offenen Türen von heute schwer verschlossen waren.  
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