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Die Grüne mit dem roten Haar mischt immer noch kräftig mit
erschienen in Zentralplus, 22.04.2018

Alt-Nationalrätin Cécile Bühlmann war einst unsere prominenteste Grüne. Nicht nur in Luzern, sondern schweizweit. Die ehemalige Politikerin und Frauenrechtlerin bleibt auch mit 69 immer noch im Gespräch und kommt bei der #MeToo-Debatte ins Philosophieren. Logisch, dass sie sich über Politiker mit Motorsägen empört.

von Mathias Haehl

Bei Cécile Bühlmann war stets alles im grünen Bereich. Sie politisierte aus der Oppositionsoptik und schätzte dabei die «Macht der Ideen». Sie hatte ein Leben in der Politik, amtet noch bis Ende August als Stiftungsratspräsidentin von Greenpeace Schweiz und bereut den Schritt in die sogenannte «Bedeutungslosigkeit» seit ihrem politischen Abgang keineswegs: «Ich lebe heute so selbstbestimmt wie nie zuvor, und ich habe noch sehr viel Energie. Mir geht's sehr gut!»

Ihr Leben war und ist auch heute noch geprägt vom Engagement für eine gerechtere und friedlichere Welt. Die 69-jährige Sempacherin machte sich stets stark für die Gleichberechtigung von Frauen und Männern, für die Menschenrechte aller, unabhängig von Geschlecht, Hautfarbe, Sprache oder Religion. Auch um eine ökologischere Welt ist sie seit jeher bemüht (siehe Box).

Gutmensch? Nein, «Madame Courage»
Ist Cécile Bühlmann also ein Gutmensch? Das passt der stets bunt gekleideten Rothaarigen gar nicht, denn ein «Gutmensch» werde «als weltfremd belächelt». Besser passt zu ihr wohl «Madame Courage». Doch was macht das ehemalige Aushängeschild der Grünen eigentlich heute?

Auf in die Guggistrasse am Hang des Sonnenbergs, wo sie mit ihrem Partner und Parteikollegen Kuno Kälin in einem 100-jährigen Haus die Dachwohnung bewohnt. Cécile Bühlmann empfängt zu Espressi, Früchtetee und Beck-Arnold-Guetsli.

An der Küchenwand tickt eine Mondaine-SBB-Uhr, auf dem Stubentisch stapelt sich Lektüre: zwei Zürcher und eine Luzerner Tageszeitung, natürlich die linke WOZ, ein Velomagazin und das Luzerner 041-Kulturmagazin. «Ich lese täglich viel, liebe das Rascheln von Papier – aber ich mag auch Onlinepublikationen wie die noch junge Republik oder zentralplus.»

Cécile Bühlmann meldet sich auch selber gerne journalistisch zu Wort, und zwar online bei «Luzern60plus». Worüber sie da schreibt? «Was mich halt so bewegt. Vor allem sind das zwei Themen: die Frauenbewegung und die Ausländerfrage.» Und darum wird sich auch das zweistündige Gespräch drehen, sie ist eine lebhafte Debattiererin.

Das erstaunt nicht, denn ihr Vitalismus kommt nicht von ungefähr: Cécile Bühlmann war schon immer eine unternehmungslustige und engagierte Persönlichkeit.

Sie erzählt, wie abwechslungsreich ihr Leben seit der Pensionierung im Jahre 2014 sei. «Ich habe viele grössere und kleine Mandate, einige wurden schon vor meinem politischen Rücktritt an mich herangetragen.»

Für Frauenfragen sei es auch heute wieder eine sehr spannende Zeit. Wie damals, eine Zeit des Aufbruchs, findet Cécile Bühlmann. Die #MeToo-Debatte habe vielen Geschlechtergenossinnen definitiv die Augen geöffnet. Und übergriffige Männer seien endlich gewarnt, dass kaum mehr etwas als Kavaliersdelikt durchginge.

Erstaunt über Macho Trump
Cécile Bühlmann schüttelt den Kopf, und sie legt ihre Stirn in Falten: «Dass sich heute noch Machos wie US-Präsident Donald Trump vorstellen können, sich ein Schweigen zu sexuellen Übergriffen zu erkaufen, erstaunt.»

Derzeit kommen die öffentlichen 68er-Jubiläumsdiskussionen dazu, doch eine Verklärung des «Summer of Love» passt auch Bühlmann nicht. Es wurde da zwar eine Liberalisierung in Bewegung gesetzt. Aber ihre Ratskollegin, die SP-Symbolfigur Christiane Brunner, stellte einmal nüchtern fest: «Die Frauen hatten in den Organisationen der 68er nichts zu sagen. Sie waren dafür gut, um den Kaffee zu machen, und fürs Bett.»

Ganz so extrem betrachtet die Luzernerin das nicht. Immer wieder wird Cécile Bühlmann für Reden und Interviews angefragt, um als Expertin und Pionierin in Sachen Gleichberechtigung Stellung zu nehmen. «Die heutigen jungen Frauen müssen mir nicht dankbar sein. Aber die heutige Situation wurde tatsächlich hart erkämpft.»

Cécile Bühlmann und ihre Mitkämpferinnen mussten viel Häme erleiden, von wegen sie seien lustfeindliche Emanzen. «Aber lustfeindlich, also das war ich überhaupt nicht – es gibt wohl nicht viele genussfreudigere Menschen als mich ...» Sie lacht herzlich am Stubentisch und nimmt noch einen Schluck Tee.

Cécile Bühlmann ist wahrlich ein Sinnesmensch. Sie liebt Farben bei Kleidung und in der Wohnung, gönnt sich gerne gute Kost, schläft bei offenem Fenster. Sie trinkt freudig mit Freunden ein Glas Wein, fährt gerne mit dem Velo an der Nordsee oder der Donau entlang und wandert winters in ihrem Reisegrüppchen tagelang durch die Berge. Von ihrem regen Kulturkonsum ganz zu schweigen.

Seniorenidylle am Sonnenberg
Die ehemalige Sempacherin ist froh, seit bald 20 Jahren am Sonnenberg leben zu dürfen. Mitten in der Stadt Luzern und trotzdem im Grünen: «Wir sind hier ‹eingebürgert›, wir werden wohl kaum mehr wegziehen. Ausser, es klappt nicht mehr mit der Treppe in den dritten Stock. Weil einen Lift haben wir hier nicht in unserer ‹Alters-WG› ...» Das klingt schwer nach Seniorenidylle.

Zurück zu ihrer Jugend im idyllischen Sempach der 50er Jahre. Ihr zweites grosses Anliegen liegt in Cécile Bühlmanns eigener Familie begründet: Ihre Mutter war Italienerin, und mit «Tschingg» als Schimpfwort wurde sie gross. «Mein Grossvater starb 1939 im Kampf gegen Franco in Spanien», und so wurde die kleine Cécile, geboren 1949, schon sehr jung politisch sensibilisiert.

Mit Sinn gegen Unrecht erzogen
«Ich wuchs zwar in Sempach in einem konservativen Milieu auf, wurde in meiner Familie dennoch mit einem Sinn für Unrecht erzogen. Es war zum Beispiel verpönt, gegen Juden zu sein.» Und noch heute macht ihr die Politik von Angela Merkel Eindruck, die sich noch nie zu einem fremdenfeindlichen Ausspruch hinreissen liess und den syrischen Flüchtlingen im Jahr 2015 in Deutschland die Grenzen öffnete.

A propos: Vermisst Cécile Bühlmann die Politik nicht? Sie schüttelt den Kopf. «Nein, ich habe noch genug Möglichkeiten, mich einzumischen. Und ich werde weiterhin kämpfen für Wichtiges.» Doch ihr falle schon auch auf, wie das Geschäft im Nationalrat härter geworden sei. «Konstant laufende TV-Bilder, die omnipräsenten Social Media – wie kann man das professionell pflegen und dann noch politisieren?» 16 Stunden am Tag reichten da doch kaum, glaubt sie. Sie selbst unterhalte eine Website, aber diese sei nicht interaktiv – «und ich mache das so lange, bis ich nichts mehr zu sagen habe». Dann werde sie die Website abstellen.

Immer mehr kommt sie beim Diskutieren in Fahrt, sie reibt sich am zusehends lauteren Auftreten der Politiker. Cécile Bühlmann erwähnt das Gebaren des «Klassenfeindes»: Den Aufstieg der SVP habe sie seit 1991 miterlebt, und sie hat dafür wenig Verständnis. «Dieses immer aggressivere Ellbögeln, oder auch Christoph Blocher mit seiner ewigen Schweizer Fahne, vermisse ich nicht.»

Wenn der ehemalige SVP-Bundeshaus-Fraktionspräsident Adrian Amstutz mit der Motorsäge auf die Bühne komme, zeige das doch seinen menschenverachtenden Umgang mit Andersdenkenden. «Das ist eine grauenhafte Metaphorik», findet Cécile Bühlmann, «ich bin froh, dass ich nicht mehr solcher Verhunzung ausgesetzt bin.»

Die moderne Verknappung auf griffige rhetorische Formeln habe offensichtlich ihren Reiz, zumindest bei gewissen Teilen des Volkes komme man mit «America first» an: «Es ist durchaus eine Kunst, auf populäre Art seine Politik unter die Leute zu bringen, ohne populistisch zu werden.»

Polemik werfe man den Grünen und Linken auch vor, «aber wir treten, wenn schon, nach oben – nicht nach unten gegen die Schwachen wie die Rechten!» Darauf trinkt sie einen grossen Schluck Tee.


12 Jahre Präsidentin der Grünen
Cécile Bühlmann, geboren und aufgewachsen in Sempach, war zuerst als Lehrerin, dann als Beauftragte und als Dozentin für Interkulturelle Pädagogik beim Luzerner Bildungsdepartement und an der Pädagogischen Hochschule Luzern tätig. Von 1991 bis 2005 war sie Nationalrätin der Grünen, 12 Jahre davon Präsidentin der Grünen Fraktion. Von 2005 bis 2013 leitete sie den cfd, eine feministische Friedensorganisation, die sich für Frauenrechte und für das Empowerment von Frauen stark macht. Bis 2007 war sie Vizepräsidentin der eidgenössischen Kommission gegen Rassismus. Noch bis Ende August ist sie Stiftungsratspräsidentin von Greenpeace Schweiz und setzt sich dafür ein, dass der Planet Erde für kommende Generationen noch lebenswert bleibt. Sie ist zudem Vizepräsidentin der Gesellschaft Minderheiten Schweiz GMS. Seit anfangs 2014 ist sie pensioniert und lebt mit ihrem Partner in Luzern.

https://www.zentralplus.ch/de/news/gesellschaft/5566333/Die-Grüne-mit-dem-roten-Haar-mischt-immer-noch-kräftig-mit.htm  
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