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Kolumne 60plus: Machterhalt

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Wenn es um Machterhalt geht, kommt Dynastie vor Geschlecht
Kolumne erschienen auf der Website von Luzern60plus, April 2018

Christoph Blocher hat wahrscheinlich alle Fäden gezogen, damit seine Tochter Magdalena SVP-Vizepräsidentin wird. Damit bleiben Macht und Einfluss der Familie Blocher an der SVP-Spitze erhalten. Das Gleiche gilt für die EMS-Chemie, da ist Magdalena Martullo-Blocher schon früher in die die Fussstapfen ihres Vaters getreten.

Ist es nicht verwunderlich, dass einer, der selber für ein traditionelles Frauenbild steht, ausgerechnet einer Frau den Weg an die Spitze der Macht ebnet? Seinen ersten nationalen Auftritt hatte Christoph Blocher nämlich nicht mit seinem Kampf gegen den EWR, sondern mit seinem glühenden Engagement gegen das neue Eherecht im Jahr 1986. Was stand denn ganz genau im alten Eherecht von 1907, das Blocher vehement verteidigte? Hier sind die wesentlichsten Inhalte zitiert: „Der Ehemann ist das Haupt der Gemeinschaft. Er bestimmt die eheliche Wohnung und hat für den Unterhalt von Weib und Kind in gebührender Weise Sorge zu tragen. Der Ehemann verwaltet das eheliche Vermögen. Die Ehefrau erhält den Familiennamen und das Bürgerrecht des Ehemannes. Sie steht dem Manne mit Rat und Tat zur Seite und hat ihn in seiner Sorge für die Gemeinschaft nach Kräften zu unterstützen. Sie führt den Haushalt. Der Ehemann ist der Vertreter der Gemeinschaft. Mit ausdrücklicher oder stillschweigender Bewilligung des Ehemannes ist die Ehefrau unter jedem ehelichen Güterstande befugt, einen Beruf oder ein Gewerbe auszuüben. Verweigert der Ehemann die Bewilligung, so kann die Ehefrau vom Richter zur Ausübung ermächtigt werden, wenn sie beweist, dass dies im Interesse der ehelichen Gemeinschaft oder der Familie geboten ist.“

Familienoberhaupt Blocher sah durch das neue Eherecht, welches Frau und Mann auf die gleiche Stufe stellen wollte, nicht nur den familiären, sondern auch den Frieden in der Schweiz bedroht. In der Zeitschrift „Reformatio“ überhöhte er das alte Geschlechtergefälle sogar noch religiös: «Sehe ich falsch, wenn ich diese Über- und Unterordnungsverhältnisse zwischen Mann und Frau in engster Beziehung sehe zu demselben Verhältnis zwischen Christus und der Gemeinde, zwischen Gott und der Welt, ja zwischen Gott Vater und Gott Sohn selbst?»

Und nun also übergibt der alte Patriarch seine ganze Macht einer Frau! Hat da einer dazu gelernt, ist da jemand vom Saulus zum Paulus geworden? Für die feministische Historikerin Elisabeth Joris gibt es dazu eine andere Erklärung. Sie sagt, wenn es um den Machterhalt einer Dynastie gehe, sei es schon immer so gewesen, dass dieser wichtiger als die Geschlechterfrage sei. Mit andern Worten: Hat der Patriarch keinen Sohn, der taugt, nimmt er eher mit einer Tochter vorlieb, als dass die Dynastie die Macht aus den Händen gibt. Das hat im Lauf der patriarchalen Geschichte dazu geführt, dass immer dann Frauen Kaiserinnen oder Königinnen werden konnten, wenn kein fähiger Mann aus der Familie zur Verfügung stand.

Wir leben in der Schweiz heute zwar in einer Demokratie, aber ganz verschwunden scheint dynastisches Denken nicht zu sein. Das sorgt sogar in den Reihen der SVP für Stirnrunzeln, denn dass Martullo-Blocher über so viel mehr politisches Geschick als all die andern 73 Mitglieder der SVP-Fraktion verfügen soll, wurde vereinzelt angezweifelt. Ich weiss es auch nicht. Aber eines weiss ich: Sie hat einen einflussreichen Vater und sie hat sehr viel Geld. Laut der «Bilanz» verfügt sie über ein Vermögen, das fünfmal grösser ist als das Vermögen aller anderen 245 PolitikerInnen im Nationalen Parlament zusammen.  
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