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NZZ-Folio: Wer wohnt da?

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Adlerhorst de luxe
Rubrik "Wer wohnt da?" im NZZ-Folio, August 2018

Kinderlose Designer? Ein vielbeschäftigter Mann? Wen eine Psychologin und ein Innenarchitekt anhand der Bilder in diesen Räumen vermuten.

Von Gudrun Sachse, Ingrid Feigl, Jörg Boner

Die Psychologin
Gewöhnlich oder zufällig ist in dieser Wohnung nichts. Jedes Stück ist ein Designteil. Von A – Alessi bis Z – Zanotta wird die Einrichtung zu einem gekonnten Gesamtwohnwerk.

Obwohl die Räume ziemlich sparsam möbliert sind, wirkt die Wohnung heimelig und warm – auch dank einem gekonnten Farb- und Materialmix. Offenbar haben sich die Bewohner beim Einrichten viel überlegt und wussten genau was wie wohin kommen soll.

Die Bewohner sind in ihrer Wohnung wirklich sehr, sehr gerne daheim. Vermutlich wohnen in dieser geschmackvollen Dachwohnung zwei, die sich gut verstehen, sie streiten nicht über Geschmacksfragen, sind lebensfrohe und vitale Menschen mit einem hohen Anspruch an Augen und Sinne; kurz: durch und durch Ästheten.

Vielleicht sind sie selber in der Architektur- oder Designszene tätig, oder sie lieben es einfach, sich mit schönen Dingen zu umgeben. Sie stehen mitten im Leben, die Jugend ist vorbei, das Alter noch weit, beide haben sie einen guten Beruf (Dink = double income, no kids), um sich all die nicht grad günstigen Stücke auch leisten zu können.

Die Küche scheint gut ausgerüstet. Nur, wozu dient das iPad hinter der Spüle? Schaut man hier Nachrichten während des Gemüseputzens? Oder ist im Tablet die private Rezeptsammlung archiviert? Vermutlich lebt man hier vorwiegend digital, ein wenig Lesestoff auf Papier findet sich einzig auf dem Couchtisch.

Hin und wieder wird gut gekocht, dann empfängt man am edlen Tisch Gäste. Am Feierabend geht man aber auch gerne mal auswärts essen. Und macht sich dafür schön, ein genügend grosses Sortiment an Crèmes und Wässerchen ist im akkurat gekachelten Bad vorhanden.

Alles wirkt hier sehr klar, geordnet und gut abgegrenzt, Stil- oder Farbmischmasch, zufälliger Dekokram oder ausgestellte Feriensouvenirs kommen den Bewohnern nicht ins Haus. Sie wissen, was und wie sie es wollen. Ich vermute, sie stehen beide selbstbewusst im Leben. Ingrid Feigl

Der Innenarchitekt
Die Sessel vom Schweizer Designer Hans Eichenberger sind in farbigem Leder gehalten. Das Sofa, ebenfalls kein Stück von schlechter Provenienz, ist straff gepolstert. Die Oberflächen in diesen Räumen sind glatt und geschlossen. Am Boden ein fast fugenloses Parkett, Fliesen in Bad und Küche und immer wieder Glas. Der Mann, der hier alleine lebt, hat ein Faible für Klarheit.

Die Wohnung ist gross. Er hält Ordnung. Alles hat seinen Platz, kein Stück kommt dem anderen zu nahe. Die Dinge wahren Distanz, genauso wie ihr Bewohner. Diese Wohnung ist sein Rückzugsort. Tagsüber ist der Mittfünfziger beruflich stark eingebunden. Der gut gepflegte Herr reist viel und unterhält soziale Kontakte.

Abends aber steigt er hinauf in seine Mansarde eines Mehrfamilienhauses, zu seinen Stücken, die ihm viel bedeuten. Eingekauft hat er sie im guten Fachgeschäft. Kein einziges Stück kommt aus dem schnöden Massenhandel. Alles erlesen und ausgewählt. Die Farbigkeit in dieser Wohnung kann nur von einem Mann stammen. Warum? Die Kontraste sind gross, die Farben bunt und laut, die Oberflächen hermetisch. Patina gibt es in dieser Wohnung nicht. Hier lagert sich nichts ab, weder Staub noch Zeit.

Gebrauchsspuren gibt es keine. Schwebt der Bewohner einer Fee gleich durch die Wohnung, wenn er zu Hause ist? Alles ist glatt und eben, wie ein sauber rasiertes Gesicht in den frühen Morgenstunden. Am Morgen erweckt - so bleibt zu hoffen - der Wasserkocher den Geist der Dinge. Vom deutsch-italienischen Designer Richard Sapper entworfen, pfeift der Kocher, sobald das Wasser darin brodelt. Der Ton ist dem poetischen Klang der Schiffssirenen auf dem toskanischen Fluss Reno nachempfunden. Dann kann der Adler sein Nest beschwingt verlassen. Jörg Boner

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