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Kolumne 60plus: Mansplaining

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Männer erklären Frauen die Welt
Kolumne erschienen auf der Website von Luzern60plus, März 2019

«Sie sind fitter im Kopf als der Alters-Durchschnitt. Ihr Äusseres kenne ich nur von Fotos und kann es noch nicht ausreichend beurteilen.» Das stand in einem Mail mit dem Betreff «Mini-Erst-Kontakt mit Ihnen», welches ich nach der letzten «Freitagsrunde» erhalten habe. Liebe Leser dieser Kolumne, können Sie sich vorstellen, von einer wildfremden Frau auf diese Weise per Mail taxiert zu werden?

Zum Hintergrund: Ich bin regelmässig Gast in dieser Sendung von SRF4News, in der über die wichtigsten innenpolitischen Ereignisse der Woche debattiert wird. Ich hatte mich in dieser Sendung gegen die Erhöhung der Franchise bei den Krankenkassen-Prämien ausgesprochen. Der mir völlig unbekannte Mailverfasser fühlte sich offensichtlich herausgefordert und beschrieb mir ungefragt ellenlang sein ziemlich wirres Verständnis von Medizin. Er schrieb im Weiteren, dass er interessiert daran sei, mich zu treffen und mit mir einen angeregten Gedankenaustausch ohne Stress zu haben.

Solche Dinge passieren uns Frauen immer, nämlich dass wir taxiert werden und uns ungefragt von Männern die Welt erklärt wird. Mansplaining nennen wir Feministinnen das. Es gibt noch weitere solche Wortschöpfungen: von Manspreading sprechen wir, wenn wir die männliche Ausbreitung zum Beispiel im Bus meinen, bei der Männer ihre Beine so weit spreizen, dass daneben kaum mehr Platz für eine zweite Person ist. Oder neulich habe ich den Begriff "Hepeating" gelesen, ein Zusammenzug von «he repeats», der das von Frauen immer wieder erlebte Phänomen beschreibt, dass ihre Beiträge in einer Diskussion nicht beachtet werden, bis ein Mann sie aufnimmt und sich damit schmückt.

Das besagte Mail kam einen Tag nach dem Internationalen Tag der Frau, an welchem wieder Millionen von Frauen rund um die Welt auf die Strassen gingen, um über ihre Diskriminierung in der Arbeitswelt, in der Familie und in der Politik zu protestieren. Auch hier in Luzern strömten am Abend des 8. März Hunderte von Frauen in den Maihof, um einer Runde gescheiter Frauen zuzuhören, die zur Unterstützung der einzigen Regierungsratskandidatin Korintha Bärtsch extra von überall her nach Luzern gekommen waren.

Es ist ein mittlerer Skandal, dass wir in der ganzen Geschichte des Kantons Luzern erst drei Frauen in der Regierung hatten: Brigitte Mürner 1988-1998, Margrit Fischer 1999-2003 und Yvonne Schärli 2003-2015. Wollen Sie wissen, wie viele Männer bisher in der Luzerner Regierung sassen? Es waren sage und schreibe einhundertzweiundvierzig!!! Das ist eine so eklatante Untervertretung der Frauen in der Luzerner Geschichte, dass eigentlich jeder Mann sich sagen müsste, dass er diese Ungerechtigkeit nicht fortsetzten will und deshalb für die nächsten 50 Jahre nicht mehr für dieses Amt antritt und dass er allen Stimmberechtigten des Kantons empfiehlt, kompensatorisch nur noch Frauen zu wählen.

Ich weiss, dass das utopisch klingt, aber gesagt sein muss es trotzdem! Und dem Mailschreiber habe ich höflich aber unmissverständlich mitgeteilt, dass ich nicht an einem Gespräch mit ihm interessiert sei. Nicht nur, weil ich mir nicht von ihm die Welt erklären lassen will, sondern weil ich null Lust darauf habe, dass er dann wohl noch mein Äusseres beurteilen würde.  
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