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Kolumne 60plus: Realsatire

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Realsatire zur Binnenmigration von Toggenburg nach Luzern
Kolumne erschienen auf der Website von Luzern60plus, April 2019

Ich ging bisher immer davon aus, dass mit dem Begriff „Zugezogen“ die Zuwanderung aus dem Ausland gemeint sei. Letzte Woche bin ich eines Besseren belehrt worden: den Wohnort vom Toggenburg nach Luzern zu verlegen ist, wie wenn man von Portugal oder der Türkei in die Schweiz zieht. Jedenfalls nach Lesart der Luzerner SVP und ihres neugekürten Ständeratskandidaten Franz Grüter. Mit der Anspielung auf die ach gar so fremde Herkunft der Andrea Gmür aus dem Toggenburg knüpft er an das fremdenfeindliche Selbstverständnis dieser Partei an. Ihre Wählerinnen und Wähler verstehen die subkutane Botschaft bestimmt! Die Überheblichkeit gegenüber Fremden und das Zelebrieren des Eigenen als das einzig Richtige ist ja bekannt. Auch das Schüren der Angst vor allem Fremden gehört zum Programm. Wieso diese erfolgreiche Strategie nicht auch für die zugezogene Konkurrentin aus dem Toggenburg verwenden? Sie lebt schliesslich erst 30 Jahre hier in Luzern und masst sich doch tatsächlich an, den Kanton Luzern im Ständerat vertreten zu wollen!

Diese Aufgabe kann doch wirklich nur ein Urluzerner übernehmen! Und Urluzerner ist mann, wenn mann seit mindestens dem Mittelalter Vorfahren in Ruswil ausweisen kann. Wer aber im Toggenburg geboren, dort seine Schulen besucht, in Freiburg studiert und dann nach Luzern umgezogen ist, kann doch nicht wirklich eine Standesvertreterin des Kantons Luzern in Bern werden! Wo kämen wir denn da hin! Und dass diese Zugezogene aus dem Toggenburg auch noch in der Stadt Luzern wohnt und dadurch urban geworden ist, geht auch gar nicht. A propos ländlich: Wer schon je im Toggenburg war, der weiss, dass das eine extrem ländliche Region ist. Andrea Gmür ist Tochter von Toggenburger Eltern, die beide aus kinderreichen Bauernfamilien stammen.

Aber nach Franz Grüters Weltbild kann nur, wer auf dem Land geboren, aufgewachsen und höchstens von Ruswil nach Eich gezügelt hat, ein würdiger Vertreter des Standes Luzern in Bern sein. Unser zweiter Mann in Bern, Damian Müller, gefällt Grüter besser; er hat da punkto Herkunft eine reine Weste: in Ermensee geboren lebt er heute im nur zwei Kilometer entfernten Hitzkirch.

Eich hat 1632 und Hitzkirch 1030 EinwohnerInnen. In der mittelalterlichen Vorstellungswelt von Franz Grüter spielt es auch keine Rolle, dass der mit 81 401 EinwohnerInnen bevölkerungsreichste Ort des Kantons die Stadt Luzern ist. Städte sind Zentren der Innovation. Und es könnte ja von Vorteil sein, wenn jemand die Erfahrung einer urbanen Lebenswelt im Ständerat einbringt und nicht nur die von Eich und Hitzkirch.

Noch etwas: in dieser vorgestrigen Welt des Franz Grüter spielt es offenbar ganz und gar keine Rolle, dass mit ihm erneut ein zweiter Mann den Kanton Luzern in Bern vertreten würde, obwohl die Mehrheit der Bevölkerung Luzerns Frauen sind. Ich jedenfalls fühle mich durch diese zwei ländlichen Männer auf keine Art und Weise repräsentiert. Das geht ganz vielen Frauen so, für die solche patriarchalen Zustände müffelig und vorgestrig sind.

Dass sich die FDP offenbar überlegt, bei diesem rückwärtsgewandten Spiel mitzuspielen, passt nicht schlecht zu einer Partei, die die Zeichen der Zeit offenbar auch sonst nicht verstanden hat. Nicht umsonst tragen Klimajugendliche, die sich um ihre Zukunft Sorgen machen, an ihren Demos Schilder mit, auf denen steht: FDP = Fuck de Planet!  
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