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Kolumne 60plus: Alterspolitik

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Quo vadis, Alterspolitik?
Kolumne erschienen auf der Website von Luzern60plus, November 2019

So hiess eine Podiumsdiskussion an der Messe „Zukunft Alter“, die in der Allmend Luzern diesen Herbst durchgeführt wurde. Ich war zur Teilnahme angefragt worden und nahm dort quasi in eigener Sache teil: ich war die einzige Podiumsteilnehmerin im Rentenalter.

Mein Fazit zur Alterspolitik versuche ich kurz zusammenzufassen: insgesamt geht es der älteren Bevölkerung in der Schweiz dank AHV und Pensionskasse materiell nicht schlecht und man kann nicht von einer generellen Altersdiskriminierung reden. Die Zufriedenheit der älteren Generation, vor allem im dritten Alter von 60 bis 80 Jahre, ist recht hoch. Es kommen aber gewaltige Herausforderungen auf die Gesellschaft zu!

Werfen wir einen Blick auf Zahlen und Fakten zur heutigen Situation: Der Wohlstand und der medizinische Fortschritt führen dazu, dass wir Alte immer zahlreicher werden. Heute sind wir 1.5 Millionen im Rentenalter, bis 2045 sollen es 2.7 Millionen sein. Ein Drittel der Haushalte sind Einzelhaushalte, auch hier steigende Tendenz. Freiwillige, meistens Angehörige, leisten heute schon mehr als doppelt so viel Pflege- und Betreuungsstunden wie die Spitex. Da aber die Familien immer kleiner werden und die Menschen immer mobiler sind, ist es immer schwieriger, dass Betagte von ihren Nachkommen betreut werden können. In der professionellen Pflege müssen wir von einem eigentlichen Pflegenotstand sprechen, bis 2030 fehlen 65 000 Pflegekräfte. Dazu kommt die unselige Unterscheidung zwischen Pflege und Betreuung, während die Finanzierung der Pflege in der Krankenversicherung geregelt ist, ist für die Finanzierung der Betreuung niemand zuständig.

Für die Zukunft stellen sich also Fragen, auf die die Politik rasch Antworten finden muss. Da von der Politik - nicht zuletzt aus Spargründen - stark propagiert wird, dass Betagte möglichst lange in den eignen vier Wänden statt im Heim leben sollen, muss diese Lebensform auch finanzierbar sein. Denn mit zunehmendem Alter brauchen die Menschen nicht zwingend Pflege, aber sicher immer mehr Betreuung. Die Pflege, meistens von der Spitex erbracht, wird von der Krankenkasse zu einem schönen Teil finanziert. Aber alles, was nicht unter Pflege, sondern unter Betreuung fällt, ist finanziell nicht geregelt: Hilfe für die Alltagsbewältigung wie Einkaufen, Kochen, Putzen, Waschen, Papierkram erledigen und die Teilhabe am sozialen Leben ermöglichen. Deshalb braucht es dringend eine Neuregelung der Finanzierung für die immer wichtiger werdenden Betreuungsleistungen. Zudem braucht es bezahlbaren altersgerechten Wohnraum, damit das Leben in den eigenen vier Wänden überhaupt realisierbar ist. Und die vom Schweizer Berufsverband für Pflegefachpersonal eingereichte Pflegeinitiative gibt eine Antwort auf den Pflegenotstand und verdient absolute Unterstützung.

Wenn diese Ideen umgesetzt werden, kann ich meine Idealvorstellung für ein selbstbestimmtes Leben im vierten Lebensalter verwirklichen: in eigenen vier Wänden in einer altersdurchmischten Siedlung, betreut und unterstützt von Dienstleistungsangeboten und Menschen, die mir nahestehen. Ob ich das wohl noch erlebe?  
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