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Kolumne 60plus: Diskriminierungen

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Aktuell wie vor 50 Jahren
Kolumne erschienen auf der Website von Luzern60plus, Juni 2020

Im Frühling 1970 trat ich meine erste Stelle als junge Lehrerin in Schüpfheim an. Es war die aufwühlende Zeit der Schwarzenbach-Initiative, die meine Familie stark betraf, war doch meine Mutter die Tochter eines italienischen Einwanderers und erst durch die Heirat mit meinem Vater im Alter von 27 Jahren Schweizerbürgerin geworden. Ich outete mich durch den Ansteckknopf mit der Aufschrift “Schwarzenbach ab“ als Gegnerin der Initiative, die den Rauswurf von mehr als 300 000 Italiener*innen aus der Schweiz bedeutet hätte. Das gefiel den Behörden im Entlebuch gar nicht. Ich wurde darauf hingewiesen, dass man erstens im Entlebuch für die Initiative sei und ich mich zweitens gefälligst rauszuhalten habe, da Frauen politisch nichts zu sagen hätten.

So ist es sicher kein Zufall, dass der Kampf gegen diese beiden Formen der Diskriminierung, nämlich jene auf Grund der Herkunft und jene auf Grund des Geschlechts sich wie ein roter Faden durch mein Leben ziehen. Und beide Themen erleben gerade jetzt, 50 Jahre später, wieder eine grosse Aufmerksamkeit: nach der rassistisch motivierten Ermordung des schwarzen George Floyd durch weisse Polizisten gehen auf der ganzen Welt die Menschen auf die Strasse und rufen: Schwarzes Leben zählt! Nie hätte ich mir damals träumen lassen, dass rassistische und fremdenfeindliche Haltungen so hartnäckig überleben und die Menschen immer noch in „wir und die andern“ einteilen würden. Als ich in den 90er Jahren in die Berner Politik einstieg, wurde ich mit der ganzen Wucht dieser Haltung durch die immer stärker werdende Schweizerische Volkspartei konfrontiert. Sie gewann mit dem Erbe Schwarzenbachs Wahl für Wahl. Bis heute sind fremdenfeindliche Tendenzen in der Schweizer Politik stark verbreitet, die 70er Jahre wirken immer noch nach. In der Schweiz ist es im Gegensatz zur USA eher die Herkunft als die Hautfarbe, die zu Ausgrenzung führt.

Und in diesem Jahr gedenken wir Luzernerinnen der Tatsache, dass die Luzerner Männer der Einführung des Frauenstimmrechts auf kantonaler Ebene vor 50 Jahren zugestimmt haben, fast ein halbes Jahr bevor dies auf schweizerischer Ebene passierte. Walter Gut, damals Grossrat und später Erziehungsdirektor, hatte das mit einem entsprechenden Vorstoss angeregt. Eine Volksinitiative der Konservativen Volkspartei KVP, die im gleichen Jahr zur CVP mutierte, brachte das Frauenstimmrecht in Luzern im Oktober 1970 zur Abstimmung. Laut der Luzerner Historikerin Silvia Hess geschah die Unterstützung durch die CVP aber nicht aus reiner Frauenfreundlichkeit, es war der grosse Testlauf für die neu entstandene Partei CVP, die hoffte, unter anderem mit Hilfe der Frauen in den Wahlen im Frühjahr 1971 die verlorene Mehrheit im Grossen Rat zurückzuholen. Wenn ich die Stellung der Frauen in der heutigen Gesellschaft mit jener in den 70er Jahren vergleiche, stelle ich im realen Leben und in Gesetzen und Reglementen grosse Fortschritte fest. Aber die Botschaft ist noch immer nicht in allen Köpfen angekommen und immer noch gilt in Teilen der Bevölkerung der Mann als Mass aller Dinge und Macht und Einfluss sind immer noch nicht gerecht zwischen Frauen und Männern verteilt.

Aber gegen beide Diskriminierungen gibt es machtvolle Demonstrationen auf der Strasse, hier und weltweit. Das ist ermutigend! Und ich werde dranbleiben, solange es nötig ist und meine Kräfte ausreichen!  
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